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Call for Papers: Inszenierung des Buchs im Internet

Medium Buch. Wolfenbütteler interdisziplinäre Forschungen

Herausgegeben vom Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte.

Für das Heft 2020 werden Beiträge zum Themenschwerpunkt „Inszenierung des Buchs im Internet“ gesucht.

Zum CFP Medium Buch, Inszenierung des Buchs im Internet

Bücher wurden schon seit Jahrhunderten nicht nur gelesen und gesammelt, sondern auch zur Inszenierung der eigenen Person, vorwiegend ihres Innenlebens und ihrer sozialen Stellung eingesetzt. Mithilfe von Büchern kann eine Person ihre Gelehrsamkeit, Bildung, Feinfühligkeit, ihren Reichtum, Geschmack und vieles Weitere ausdrücken.

Diese Inszenierung geschah nicht nur selbstreflexiv in Texten, sondern häufig auch in visuellen Medien wie dem Holzschnitt, dem Kupfer- oder Stahlstich, der Fotografie, dem Film oder dem Fernsehen. Heute bietet das Internet einen völlig neuen medialen Rahmen: durch seine Multimedialität, durch die weltweite Vernetzung von privaten Personen, öffentlichen Einrichtungen und kommerziellen Unternehmen, durch Feedback-Schlaufen und den neuen Möglichkeiten gemeinsamer Produktion und Rezeption unterscheidet sich die Inszenierung des Buchs im Internet von älteren Inszenierungspraktiken.

Neben gravierenden Veränderungen, die die Digitalisierung für das Buch gebracht haben, ermöglichen die Online-Medien neue Arten der Zurschaustellung. Das Buch selbst, sein Inhalt und seine materielle Gestaltung können im Internet inszeniert werden, ebenso Schreibe- und Lektürepraktiken, sein Kauf, seine Aufbewahrung oder seine Funktionen und Leistungen im Alltag. Oft werden dem Medium Buch dabei Werte zugeschrieben, die besonders in den fotografischen Arrangements leicht dekodiert werden können. Zu heuristischen Zwecken unterscheiden wir Inszenierungen, bei denen die Leserin oder der Leser eine entscheidende Rolle spielen (1) von solchen, die von Verlagen und dem Buchhandel ausgehen (2).

(1) Innovative Formate der Buchinszenierung im Internet durch Leserinnen und Leser greifen vielfach auf Traditionen zurück, die sich in den letzten Jahrhunderten rund ums Buch ausgebildet haben: Das Individuum bildet sich an der Lektüre, es gibt durch sie Einblicke in seine Gefühls- und Gedankenwelt. Menschen finden durch Bücher zusammen, geben sich durch sie zu erkennen. Büchersammlungen transportieren soziales Prestige und offenbaren etwas über ökonomische Ressourcen. Als Teil der Einrichtung verraten sie etwas über den Lebensstil. Diese und weitere Traditionen bleiben von der neuartigen Konstitution von Individualität im Internet nicht unberührt und verbinden sich mit neuen Formaten: mit dem Blog und Video Blog, mit Kundenrezensionen und Social Media, mit dem Shopping Haul und der Bücherregal-Tour (Shelfie Tour).

(2) Auch Verlage und der Buchhandel haben ein genuines Interesse, ihre Bücher im Internet zu präsentieren. Das geschieht auf ihren Websites, in Buchblogs, dem VLB-TIX 2

und vielen weiteren Plattformen wie Facebook oder Instagram. Dabei wissen Verlage und Buchhandel die Werbewirkung des Covers natürlich auch im Internet zu schätzen, sie platzieren ihre Vorschauen und Leseproben ebenso wie die Informationen über Autoren – alles Formate, die keineswegs neu sind, sondern aus der physischen Buch- und Verlagswelt stammen, aber auf Websites neu in Szene gesetzt und gegebenenfalls modifiziert und angereichert werden.

Beiträge zu diesem facettenreichen Themenkomplex können beispielsweise folgende Fragestellungen zugrunde legen:

  • Lassen sich Standards der Buchinszenierung z.B. auf YouTube oder Instagram herausarbeiten, die kultur-, milieu- oder generationsspezifisch dekodiert werden können?
  • Welche Wertzuschreibungen an das Medium Buch können aus fotografischen Arrangements abgeleitet werden?
  • Welche ikonografischen Traditionen der Buchinszenierung werden bedient?
  • Welche Rolle wird dem Buch im individuellen Lebensstil zugemessen?
  • Wie werden Leseatmosphären und Leseszenen ausgestaltet?
  • Wie inszenieren professionelle Anbieter wie Verlage das Medium Buch, wie reichern sie das Leseerlebnis an und welche Traditionen werden adaptiert?

Willkommen sind Fallbeispiele und/oder theoriebasierte Zugriffe aus der Buchwissenschaft, der Bibliothekswissenschaft, der Wissenschaftsgeschichte, der Mediengeschichte, der Kommunikationswissenschaft, der Literaturwissenschaft, der Kulturanthropologie oder der Kunstgeschichte.

Die Herausgeber bitten um ein kurzes Abstract von ca. 500-800 Wörtern und eine Kurzvita von ca. 350 Zeichen bis zum 15. April 2020 an Univ.-Prof. Dr. Philip Ajouri (pajouri@uni-mainz.de) und Prof. Dr. Ute Schneider (uschneid@uni-mainz.de). Eine Entscheidung über die Aufnahme der Beiträge erfolgt spätestens zum 15. Mai. Abgabe der fertigen Beiträge ist der 30. August 2020.

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Philip Ajouri
Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien / Buchwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz

pajouri@uni-mainz.de

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