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Call für Papers zu Tagung „Alles außer Lesen…“ Praxeologien des Buchgebrauchs, 16.-18. September in Hannover

Call for Papers
Einladung an Nachwuchswissenschaftler*innen / Invitation for young researchers
„Alles außer Lesen …“ Praxeologien des Buchgebrauchs / ‚Everything but Reading … Praxeologies of Book Use‘
Tagung / Conference: Schloss Herrenhausen, Hannover, 16.-18. September 2020, gefördert von der VolkswagenStiftung / Schloss Herrenhausen, Hanover, 16-18 September 2020, sponsored by the Volkswagen Foundation
Konzeption und Leitung / Concept and organisation: Prof. Dr. Ursula Rautenberg (Buchwissenschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Ute Schneider (Buchwissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

English text see below

Sechs Nachwuchswissenschaftler*innen (Doktorand*innen und Postdocs, bis zu 5 Jahren nach der Promotion) werden gesucht, deren Forschungen in den oben genannten Kontexten angesiedelt sind. Zur Beförderung der Vernetzung von Nachwuchs- und etablierten Wissenschaftlern haben die Nachwuchswissenschaftler*innen Gelegenheit, ihre Themen zu präsentieren und in einer anschließenden ausführlichen Diskussion vertiefend zu erläutern. 16 einschlägig ausgewiesene Wissenschaftler*innen aus den USA, China, Großbritannien, Belgien, Schweiz und Deutschland haben bereits ihre Teilnahme an der interdisziplinären Tagung zugesagt. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Im Falle einer Einladung übernimmt die VolkswagenStiftung die Reise- und Übernachtungskosten für die Teilnahme an der dreitägigen Tagung sowie die Verpflegung.
Tagungskonzept
Zu den primären Funktionen des Kommunikationsmedium Buch gehört das Speichern und Übermitteln von Informationen, die ‚gelesen‘, sprachliche und bildliche Zeichen, die dekodiert werden. Die Tagung ‚Alles außer Lesen‘ hingegen legt den Focus auf die sekundären Praktiken ‚uneigentlicher Buchnutzung‘. Seit es Schriftmedien gibt, werden Bücher als Artefakte gestaltet und hergestellt, angepriesen und gekauft, verschenkt, gesammelt und gezeigt, stellvertretend für Ideen und Inhalte verbrannt und kultisch verehrt. Sie dienen als Objekte bibliophiler Begierde, Mittel zur Identitätskonstruktion und zur kulturellen Distinktion. Das Buch-Objekt ist Konstruktionsmaterial für vielfältige soziale Praktiken und symbolisch-kommunikative Handlungen auf der Basis kollektiver oder individueller Zuschreibungen (Sekundärfunktionen).
Ziel der Tagung ist es, das umfangreiche Feld der symbolischen Buch-Handlungen auf der Grundlage von jeweils gesellschaftlich akzeptierten Wertzuschreibungen und Praktiken im Geflecht von Bedeutungszuschreibungen und symbolischem Kapitel, Materialqualitäten, Preis und immateriellem Wert wenigstens ansatzweise zu beleuchten. Während das Schlagwort „Materialität der Kommunikation“ seit einigen Jahrzehnten in unterschiedlichen Forschungskontexten, besonders der Literatur- und Kulturwissenschaft, aufgenommen worden ist, legt die Tagung den Fokus auf einen kommunikations- und buchwissenschaftlichen Zugang.
Das Thema wird in drei Sektionen in historischer Perspektive, aber auch gegenwartsbezogen diskutiert: Das symbolische Kapital des Buches, die Individualisierung des Exemplars (Sammeln, Zeigen und Zueignen) und Buch und Lebensstil. Während sich die jahrhundertelang tradierten Buchpraktiken und Zuschreibungen mit dem technologiebasierten Übergang vom Manuskript zum Druck um 1450 nicht grundlegend verändert haben, stellen die digitalen Schriftmedien und „E-Books“ traditionelle Wertfunktionalitäten und Buchpraktiken auf den Prüfstein. Die Umstellung vom handgeschriebenen auf das gedruckte Exemplar hat den Buchkörper – die Kodexform des Buchs – kaum tangiert. Disruptive Innovationen und komplexe Technik bringen dagegen neue unkörperliche Formen des Mediums hervor und verändern die Medienspezifik des ‚alten‘ Buchs grundlegend.
Besonders erwünscht sind Beiträge (in deutscher oder englischer Sprache), die die unten angeführten Fragenkomplexe im Fokus der digitalen Transformationen des symbolischen Kapitals des Buchs bedenken:
• Welche symbolischen Werte werden dem Medium Buch in spezifischen Nutzungskontexten zugeschrieben und in welchen Handlungen drückt sich dies aus?
• Welche sozialen Praktiken sind im Umgang mit dem Buch etabliert und ändern sich im Zeitalter digitaler ‚Buchmedien‘?
• Welche Räume, Zeiten und Prozesse bedingen den Buchgebrauch, auch unter den Bedingungen der digitalen Transformation?
• Wie werden traditionelle Werte und traditioneller Buchgebrauch im digitalen Raum transformiert und sichtbar?
• Inwiefern ist der Buchgebrauch Ausdruck des individuellen oder eines milieuspezifischen Lebensstils? Wie nehmen digitale Buchmedien diese Zuschreibungen auf und setzen sie um?
• Welche Transformationen sind gegenwärtig im Fluss und wie könnte das symbolische Kapital des digitalen Buchs zukünftig aussehen?
Einreichung der Bewerbungen
Die Veranstalterinnen bitten um ein aussagekräftiges Abstract (maximal 1.500 Zeichen) des laufenden oder abgeschlossenen Forschungsprojekts und / oder eines Tagungsbeitrag sowie eine Kurzvita bis zum 30. Mai 2020 an Prof. Dr. Ute Schneider (uschneid@uni-mainz.de) und Prof. Dr. Ursula Rautenberg (ursula.rautenberg@fau.de). Eine Entscheidung über die Aufnahme der Beiträge erfolgt spätestens zum 30. Juni 2020.

English text
Six young researchers (PhD students and postdocs, up to 5 years after the doctorate) are being sought whose research is located in the above-mentioned contexts. In order to promote networking between young and established researchers, they will have the opportunity to present their topics and to discuss them in depth in a subsequent detailed discussion. 16 renowned scientists from the USA, China, Great Britain, Belgium, Switzerland and Germany have already confirmed their participation in the interdisciplinary conference. Conference languages are German and English.
In case of an invitation, the Volkswagen Foundation will cover the travel and accommodation costs for participation and catering during the three days of the conference.
Conference concept
The primary functions of the book as a medium of communication include the storage and transmission of information that is ‘read’, linguistic and pictorial signs that are decoded. The conference ‘Everything but Reading,’ on the other hand, focuses on the secondary practices of ‘using books as something other than books.’ As long as there have been textual media, books as artifacts have been designed and produced, praised and purchased, given away, collected and displayed, burned and worshipped as representations of ideas and subject matter. They serve as objects of bibliophile desire, means of identity construction and for cultural distinction. The book-as-object is building material for diverse social practices and symbolic-communicative acts on the basis of a collective or individual ascription of meaning (that is, the book’s secondary functions).
The aim of the conference is to shed light, at least to some degree, on the extensive field of symbolic book-related actions based on particular socially accepted valuations and practices within the network of ascriptions of significance and symbolic capital, material qualities and purchase price, and intangible value. While the “materiality of communication” has been a catch phrase for decades in various research contexts, especially in literature and cultural studies, this conference will focus on approaches from communication studies and the study of book history and publication.
The topic will be discussed in three sections in historical perspective, but also with reference to the present day: The book’s symbolic capital, the individualization of the copy (collecting, displaying and dedicating), and the book and lifestyle. While the centuries-long tradition of book practices and value attributions did not fundamentally change during the technology-based transition from manuscript to print around 1450, digital textual media and “e-books” represent a stiff test for traditional value functionalities and book practices. The transition from the handwritten to printed book copy hardly affected the body of the book – the book in codex form. Disruptive innovations and complex technology, on the other hand, are producing new incorporeal forms of the medium and fundamentally changing the media specificity of the ‘old’ book.

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