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Neue Folge XXVI
München 2019; 363 S., zahlreiche Farbabb.
ISBN 978-3-447-11225-3
Der 26. Band der Neuen Folge von Imprimatur umfasst in 12 Beiträgen drei thematische Schwerpunkte. Ein Themenblock zeigt die vielfältigen Rollen des Schriftstellers, Herausgebers und Verlagsberaters Franz Blei, dessen erotisches Frühwerk, pikant in Text und Bild, anhand der Bonbonnière von Hartmut Walravens ediert wird. Ganz im Gegensatz zu seinen frivol illustrierten Texten steht sein seriöser, in geschäftlichem Ton gehaltener Briefwechsel mit dem Münchner Verlag Georg Müller, der die Leser und Leserinnen mitnimmt in das Alltagsgeschäft eines Verlags und Herausgebers. Diese Einblicke hinter die Kulissen einer (kurzlebigen) Zeitschrift hat Angela Reinthal sorgfältig kommentiert und zeichnet damit einen anschaulichen Bildausschnitt vom literarischen Leben kurz vor und während des Ersten Weltkriegs. Unter „Sammlungen und Antiquariat“ steht der wichtige, stark quellenorientierten Forschungsbeitrag über das Schicksal jüdischer Buchhändler, Antiquare, Sammler und Bibliophile und ihrer Bücher im niederländischen Exil von Vera Bendt Britta Bommert und Joachim Brand stellen die berühmte „Sammlung für Kostümwissenschaft“ des Berliner Verlegers Franz Freiherr von Lipperheide vor, die heute in der Kunstbibliothek in Berlin bewahrt wird. Inspirierende Beiträge über besondere Buchformen steuern Hanna Lehner, Jan-David Mentzel und Christoph Benjamin Schulz bei. Hanna Lehner stellt die noch viel zu selten buchwissenschaftlich wie kunsthistorisch untersuchten Klebebände innerhalb adliger Büchersammlungen vor. Die Geschichte und Funktion der Klebebände dürfte vielen Leserinnen und Lesern neue Erkenntnisse über den Umgang mit dem Medium Buch in der Frühen Neuzeit liefern. Ebenfalls in der Frühen Neuzeit ist der Beitrag Jan-David Mentzels angesiedelt. Er öffnet den Blick auf die erstaunliche Vielfalt der balneologischen Schriften im 16. Jahrhundert mit ihren wunderbaren Holzschnitten und erläutert detailliert Das Bad im Buch. Schließlich wird an wunderbaren Exemplaren die traditionsreiche Geschichte der Leporellos von Christoph Benjamin Schulz erläutert. Darüber hinaus analysiert Jan Lemitz die reiche Lesezeichensammlung in Rheinhausen, die zur Duisburger Stadtbibliothek gehört. Er zeigt wie sich zeitgenössische alltagsweltliche Themen und modernes, künstlerisches Design im Lesezeichen widerspiegeln. Hanns Peter Neuheuser hingegen führt zurück ins konfessionelle Zeitalter und erläutert das Schicksal eines Andachtsbilds, das aus seinem religiösen Kontext zweckentfremdet als Blattgreifer Verwendung fand. Schließlich haben Dorothée Bores, Sabine Knopf und Eckart Sackmann die Buch- und Comic-Gestaltung ins Zentrum ihrer Beiträge gerückt sowie die damit verbundenen Forschungsfragen gestellt. Dorothée Bores stellt Gisela Andersch und ihr vielgestaltiges Werk in der frühen Bundesrepublik vor, während sich Sabine Knopf der Editionsgeschichte eines Kinderbuchklassikers widmet, nämlich der beliebten Alice im Wunderland. Eckart Sackmann plädiert leidenschaftlich für das Sammeln von Comics und blickt auf die Wege der Comicforschung der letzten Jahrzehnte.
Interessierte, die nicht Mitglied der Gesellschaft der Bibliophilen sind, können den Band über den Harrassowitz Verlag Wiesbaden beziehen.
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