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Copyright: Thomas Hartmann, Universitätsbibliothek Mainz

Entstehung des Archivs

Das Verlagsarchiv wurde im Jahr 2009 von Univ.-Prof. Dr. Stephan Füssel, dem Leiter des Instituts für Buchwissenschaft, gegründet. Das Mainzer Verlagsarchiv bietet Einblicke in die Arbeitsweise von Verlagen mit den Schwerpunkten Taschenbuch, Lexikon, Sachbuch, Kinderbuch, kritische Literatur seit den 1950er Jahren.
Am Anfang stand die Übernahme eines großen Teils des Rowohlt-Verlagsarchivs aus Reinbek bei Hamburg (Sachbuch, Fachbuch, Kinder-und Jugendbuch, Taschenbuch, Herstellungsunterlagen etc.), deren anderer Teil (Deutsche Literatur, Philosophie) im Deutschen Literaturarchiv in Marbach a.N. verwahrt wird. Im selben Jahr konnten die einzigartigen Verlagsarchive von Rotbuch, Syndikat und der Europäischen Verlagsanstalt durch Eigentumsübertragung des Verlegerehepaars Dr. Sabine und Kurt Groenewold (Hamburg) übernommen werden. Teilarchive von Eichborn (Frankfurt a.M.) und Brockhaus (Mannheim) kamen dazu, laufend werden Archivalien des Frankfurter Verlags „Weissbooks“ aufgenommen.

Parallel zur formalen Erschließung der Archivalien bietet das Mainzer Verlagsarchiv den Mainzer Studenten die einmalige Möglichkeit, schon im Studium umfassende Einblicke in Archivarbeit und die Arbeitsweise deutscher Verlage zu erhalten. Im Benutzungsraum des Verlagsarchivs finden sowohl Übungen zur Archivkunde als auch Seminare zur Geschichte der hier dokumentierten Verlage statt. Hier können die Studenten wertvolle Schätze der deutschen Verlagsgeschichte heben.

Eine Doktorarbeit (zum Kinder- und Jugendbuch im Rowohlt Verlag) sowie zahlreiche Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten sind bereits abgeschlossen. Weitere wissenschaftliche Abschlussarbeiten von Mainzer Studierenden, die sich auf die Bestände des Mainzer Verlagsarchivs stützen, sind in Arbeit. In den nächsten Jahren wird hier außerdem die „Buchhandelsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland“ erstellt werden.
Auch externe Forscher und Kulturinstitutionen nutzen das Bild- und Textmaterial des Archivs für Editionen, Ausstellungen und Filme.

Bedeutung des Archivs

Im Archiv kann der Einfluss von bedeutenden Verlagen, die die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit Deutschlands seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts prägten, erforscht werden. An Fallbeispielen können Herstellung und Gestaltung, Lektorat und Lizenzabteilung vorgestellt und darüber gelehrt werden.
Die verwahrten Dokumente sind dementsprechend sehr vielfältig: Autor-Verleger-Korrespondenzen, Manuskripte, Coverentwürfe, Werbematerialien etc. Studierende arbeiten sowohl in Lehrveranstaltungen als auch für ihre Abschlussarbeiten mit den Archivalien, aber auch Forscher aus dem In- und Ausland besuchen das Archiv.

Bestände des Archivs

Momentan umfasst die Sammlung etwa 12.000 Belegexemplare der Verlagspublikationen (Bücher und Zeitschriften, Video- und Tonkassetten) und 9.000 Archiveinheiten (Archivschachteln/Mappen) mit Dokumenten (Manuskripte, Korrespondenz, Programmplanung, Verträge, Kalkulationen, Cover-Entwürfe, Verlagsvorschauen, Plakate, Rezensionen, Vertriebsunterlagen etc).

Die Verlage

Geschichte des Rowohlt Verlags

Der Rowohlt Verlag wurde dreimal gegründet: von Ernst Rowohlt 1908 in Leipzig und 1919 in Berlin; nach Kriegsende von Rowohlts Sohn Heinrich Maria Ledig-Rowohlt in Stuttgart und wenig später von Ernst Rowohlt in Hamburg. Seit 1950 sind die Niederlassungen in Hamburg zusammengeführt. In diesem Jahr wurden auch die ersten rororo-Taschenbücher publiziert.

Rowohlt ist somit nicht nur der älteste Deutsche Taschenbuchverlag (seit 1953 als Tochterfirma Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH), sondern auch einer der bedeutendsten: In den 50er Jahren galt „rororo“ als Synonym für Taschenbücher schlechthin, heute verfügt der Verlag über eine der umfangreichsten Backlists unter den deutschen Publikumsverlagen. Um die Vielzahl der Titel für Buchhändler und Käufer überschaubar zu machen, wurden zahlreiche Reihen entwickelt, vor allem im Sachbuchbereich. Besonders bekannt sind die seit 1972 existierende Kinderbuchreihe „rotfuchs“ und die in den 1980ern publizierte Jugendbuchreihe „panther“.

Zu Rowohlt (seit 1960 in Reinbek bei Hamburg angesiedelt) gehören heute folgende Verlage: der Rowohlt Buchverlag mit den Imprints Wunderlich und Kindler, der Theaterverlag, der rowohlt BERLIN Verlag und der Rowohlt Taschenbuch Verlag. Seit 1983 gehören die Verlage zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Geschichte der Europäischen Verlagsanstalt

Die Europäische Verlagsanstalt (EVA) wurde 1946 in Hamburg gegründet. Nach der Gründung der BRD avancierte die EVA schnell zu einem Verlag, der mit einem anspruchsvollen kritischen Programm, mit „linken“ und sozialistischen Gedanken der Aufklärung und Selbstaufklärung einer lesehungrigen Zeit diente. In den 50ern und 60ern war die EVA, inzwischen nach Frankfurt a.M. umgezogen, der führende Verlag für Judaica, Sozialwissenschaften und politische Bildung.

Während der Protest- und Studentenbewegungen der 60er Jahre entwickelte die EVA sich zum Forum für gesellschaftskritische Gedanken, z.B. bei der Dokumentation der Proteste gegen den Vietnam-Krieg und die Notstandsgesetze. 1968 erschien für die Zielgruppe „Studenten, Schüler und Arbeiter“ die neue preiswerte Reihe „basis“ mit Titeln wie „Demokratie und Sozialismus“ von Arthur Rosenberg. In den 70er Jahren setzt man durch die Aufnahme der sogenannten Dissidentenliteratur neue Akzente. Der Titel „Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus“ des DDR-Regimekritikers Rudolf Bahro wurde ein Bestseller. Auch in den Achtzigern konnte die EVA die intellektuelle Diskussion durch Autoren wie Peter Brückner, Otto Kirchheimer oder Alexander Kluge befördern.

1999 erhielt die EVA, inzwischen seit 10 Jahren wieder in Hamburg mit der Verlegerin Sabine Groenewold, den Preis der Hamburger Kulturbehörde. 2004 verkaufte das Verlegerehepaar Sabine und Kurt Groenewold die Verlagsgruppe, zu der seit 1981 der Syndikat-Verlag, seit 1993 der Rotbuchverlag und seit 1999 der Verlag „Die Hanse“ gehörten.

Geschichte des Rotbuch Verlags

Der Rotbuch Verlag wurde 1973 in Berlin als Abspaltung von Mitarbeitern des Verlages Klaus Wagenbach gegründet. Zu den Gründern gehörten die Schriftsteller und Lektoren Anne Duden, F.C. Delius und Ingrid Karsunke. Auch das Kursbuch, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, ging zum Rotbuchverlag, wo es bis 1990 erschien. Rotbuch hatte als kollektiv geführter Verlag eine Sonderstellung in Deutschland: Die Beschäftigten waren identisch mit den Eigentümern und entschieden gemeinschaftlich über Organisation, Finanzen und Programm, Auswahl der Autoren, Vertrieb und Ladenpreis. Der Verlag bot ein Forum für osteuropäische Autoren wie Herta Müller, Carmen-Francesca Banciu oder György Dalos. DDR-Autoren wie Thomas Brasch, Sascha Anderson und Kurt Bartsch erschienen hier erstmals.

Mit Gerhard Seyfried machte Rotbuch den deutschen Comic weltbekannt. Auch auf dem Gebiet der Kriminalliteratur bewies der Verlag seit 1987 Spürsinn mit der Entdeckung amerikanischer Autoren, und machte mit Pieke Biermann, Thea Dorn und Jörg Juretzka den deutschen Krimi konkurrenzfähig. Rotbuch ist außerdem der Verlag so unterschiedlicher Autoren wie des Dramatikers Heiner Müller und des Literaturnobelpreisträgers Dario Fo.

1993 übertrugen die damaligen Gesellschafter ihre Anteile der Europäischen Verlagsanstalt und der Verlag zog nach Hamburg. Dort wurde Rotbuch 2001 ein reiner Belletristikverlag, mit Schwerpunkten auf Krimis, der jungen Literatur Deutschlands und der europäischen Randländer.
Seit 2007 ist der Rotbuch Verlag wieder in Berlin (in Kooperation mit der Eulenspiegel Verlagsgruppe). Belletristik, Sachbuch und Kriminalliteratur prägen sein Profil.

Geschichte des Syndikat Verlags

1976 gründeten die Suhrkamp-Lektoren Axel Rütters und Karl Markus Michel den Syndikat Verlag in Frankfurt am Main. Wie der „Verlag der Autoren“ und das Wagenbachkollektiv war die „Syndikat Autoren und Verlagsgesellschaft“ ein Autorenverlag. Die Autoren waren in Form von Beiräten in die Programmplanung mit einbezogen und waren innerhalb einer Kommanditgesellschaft zugleich Eigentümer des Verlages. Die Autoren brachten Beiträge zwischen 5.000 und 30.000 DM ein und erhöhten mit ihren im Verlag belassenen und nicht ausgezahlten Honoraren dessen Liquidität und auch ihren eigenen Kapitalanteil. Wichtige Syndikat-Autoren waren beispielsweise Paul Parin, Hans Peter Duerr, John Clarke und Carlo Ginzburg.

Der Syndikat Verlag war gleichzeitig eine Buchgesellschaft und ermöglichte es dadurch den Mitgliedern (häufig Studenten), die Bücher des Syndikat Verlages, aber auch die Publikationen anderer Bücher zu reduzierten Preisen zu erwerben. Die im Voraus bezahlten Mitgliedsbeiträge halfen bei der Finanzierung des Verlagsprogrammes.

Das Ziel der Gründer war es, in möglichst vielen Bereichen kritisch-wissenschaftlicher Literatur gleichzeitig präsent zu sein. Wahrgenommen wurde Syndikat jedoch vor allem als Verlag von Titeln aus den Bereichen Ethnologie, Anthropologie und Psychiatrie.

1979 erwarb Verleger Axel Rütters gemeinsam mit Kurt Groenewold die Europäische Verlagsanstalt (EVA) und war zeitweise Geschäftsführer von Syndikat und der EVA in Personalunion. 1981 kauften Heinrich von Berenberg und der EVA-Verleger Kurt Groenewold zu gleichen Teilen den Syndikat Verlag.

Verlagsarchiv1

Dr. Sabine Groenewold-Stipendium

Das Verlegerehepaar Dr. Sabine und Kurt Groenewold unterstützt durch dieses Stipendium die Erschließung der Archivalien durch akademische Abschlussarbeiten. Studierende, die ihre Bachelor-, Master-, Magister- oder Doktorarbeiten im Mainzer Verlagsarchiv verfassen, können sich jeweils zum 30. Juni und 30. November bewerben.

Kontakt

Mainzer Verlagsarchiv
Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien
Abteilung Buchwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophicum, UG Raum -1 609
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz

Tel. 06131-39 39 197 (vormittags)
Fax 06131-39 39 198
mva@uni-mainz.de

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