skip to Main Content

2011 Polen und Sachsen

Im Sommersemester 2011 begaben sich wieder einmal gut 30 Studierende mit Prof. Elmar Mittler und Christina Schmitz auf den Weg in die weite Welt – dieses Mal ging die Reise zu Bibliotheken in Görlitz, Breslau, Krakau, Czestochowa und Dresden.

Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften und Stadtbibliothek Görlitz (1. Tag)

von Kristina Krämer

In der Stadtbibliothek Görlitz

In der Stadtbibliothek Görlitz

Unsere Reise begann früh am Montagmorgen am Mainzer Hauptbahnhof. Bereits um 6 Uhr starteten wir mit dem Bus in Richtung Polen. Nach der mehr als achtstündigen Fahrt, die der Großteil unserer kleinen Reisegruppe mit Schlafen verbracht hatte, erreichten wir die erste Station unserer Reise, die deutsch-polnische Grenzstadt Görlitz. Hier ging es auch gleich mit unserem umfangreichen Besichtigungsprogramm los. Der Leiter der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, Matthias Wenzel, begrüßte uns am Ausweichstandort der Bibliothek, dessen eigentliche Heimat, ein Barockgebäude in der Neißstraße, zur Zeit renoviert und ausgebaut wird. Es folgten eine Einführung in die Geschichte der Bibliothek, die 1950 aus der Verschmelzung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und der Milichschen Stadt- und Gymnasialbibliothek hervorgegangen war. Neben historischen Buchbeständen, deren ältestes Dokument eine Handschrift aus dem 10. Jahrhundert ist, umfassen die Bestände der Bibliothek als wissenschaftliche Regionalbibliothek auch Bücher zu Geschichte und Landeskunde der Region Oberlausitz/ Niederschlesien, das Mühlenarchiv sowie Bestände zu dem Autor Arno Schmidt und dem Philosophen Jakob Böhme.

Stadtbibliothek_Goerlitz2Von hier aus eilten wir, unserem straffen Zeitplan bereits hinterherhinkend, zur Stadtbibliothek Görlitz. Hier wurden wir von Doris Melchior durch die Bibliothek geführt, die 1907 als „Volksbücherei und Lesehalle“ gegründet wurde. Besonders viel Aufmerksamkeit schenkten wir dabei dem 2005 bis 2007 restaurierten historischen Lesesaal sowie dem modernen Anbau. Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde auch das Magazin erstmals frei zugänglich und dient nun als begehbares Bücherregal, das außerdem Platz für Ausstellungen bietet.

Zum Abschluss unseres Tages in Görlitz besuchten wir die Baustelle der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, wo wir das „Gerippe des historischen Lesesaals“, die kunstvollen, restaurierten Regalbauten, bewundern konnten und über die Baumaßnahmen informiert wurden. Anschließend hatten wir Gelegenheit, uns die Görlitzer Innenstadt anzusehen und über die Neiße auf die polnische Seite der Stadt zu gehen.
Nachdem sich alle gestärkt hatten, kehrten wir Deutschland vorerst den Rücken und fuhren drei Stunden bis zu unserer ersten Übernachtungsmöglichkeit in Breslau. Trotz der fortgeschrittenen Stunde bei unserer Ankunft und dem langen Tag, der hinter uns lag, ließen viele von uns den ersten Abend unserer Exkursion noch gemütlich im Brauhaus „Spiz“ am Marktplatz ausklingen.

Universitätsbibliothek Breslau (2. Tag)

von Marlene Sturm

Unibibliothek Breslau

Unibibliothek BreslauUnibibliothek Breslau

Nach der Ankunft in der Universitätsbibliothek Breslau erhielten wir zuerst einen Überblick über die bewegte Geschichte der Bibliothek. Mit der Eröffnung der Kaiser Leopold-Universität 1702 wurde auch der Grundstein für die Bibliothek gelegt. Im Zuge der Säkularisierung Polens im 19. Jahrhundert wurde das Bibliotheksgebäude auf der Sandinsel, das bereits seit dem 12. Jahrhundert von einem Augustinerorden genutzt worden war, zur Zentralbibliothek erklärt. Ab 1815 wurde diese Bibliothek Königliche- und Universitätsbibliothek genannt.

Teile der Bibliothek wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und eine halbe Million Bände verbrannten. Nach dem Krieg wurden die Stadt- und Universitätsbibliothek miteinander verbunden. Der heutige Bestand der Bibliothek birgt viele verschiedene Bibliotheken in sich, nicht nur frühe Breslauer Sammlungen, sondern auch Sammlungen aus ganz Niederschlesien. Die Sammlung des Herzogs Georg Rudolf aus Liegnitz sowie Bruchstücke der Milich-Bibliothek aus Görlitz und die Bestände der Bibliothek der St. Peter und Paul-Kirche in Liegnitz sind in der heutigen Universitätsbibliothek vereint. Momentan ist die Bibliothek in drei verschiedenen Gebäuden untergebracht, in der Karol Szajnocha-Strasse 7/9 befindet sich der Hauptlesesaal und die Ausleihe der Bibliothek.

Beutelbuch

Beutelbuch

Im Anschluss an diesen kurzen Vortrag wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und durften nun die Schätze der Bibliothek bestaunen. In der Abteilung für Manuskripte, welche die größte Sammlung mittelalterlicher Handschriften in Polen beherbergt, wurden uns wertvolle Handschriften gezeigt. Wir betrachteten ein ungewöhnlich großes Beutelbuch bei dem das Leder des Einbandes ca. 20 cm überstand.
Außerdem durften wir in einer Pariser Bibel und in einem alten medizinischen Buch, das untypischerweise ein Inhaltsverzeichnis hatte, blättern. Unsere bibliophilen Herzen schlugen auch bei einer Handschrift in Sanskrit auf Palmblättern, einem Buch aus einer Kettenbibliothek und bei einer sehr schön illustrierten arabischen Handschrift höher. Etwas sehr Besonderes war auch die Inschrift auf einer Wachstafel, die noch vollständig erhalten war.

Beutelbuch Auf die ManBeutelbuchuskripte folgte die Abteilung der Alten Drucke. Hier wurde uns der erste Druck Polens gezeigt und ein Exemplar der Schedelschen Weltchronik.

Da wir alle des Polnischen nicht mächtig sind, muss noch einmal hervorgehoben werden, dass sich die Mitarbeiter der Bibliothek sehr viel Mühe gaben mit uns auf Deutsch oder Englisch zu sprechen.
Nach einem Mittagessen mit polnischen Spezialitäten und nachdem wir den schönen Marktplatz von Breslau erneut bei Tag genossen hatten, ging es weiter zum Ossolineum.

 

Die Bibliothek des Ossolineums

von Charlotte Kempf

OssolineumOssolineum Im Ossolineum angekommen wurden wir von Dr. Mariusz Dworsatschek, dem Stellvertreter des Generaldirektors, begrüßt. Zunächst gab er uns eine bilderreiche Einführung zur Geschichte des Hauses: Das Ossolineum geht zurück auf den Gelehrten, Bibliophilen und Sammler Józef Maksymilian Ossoliński (1748–1826). Wohl in Reaktion auf die zweite polnische Teilung bemühte sich Ossolinski seit 1794 um den Aufbau einer dezidiert nationalen Sammlung polnischer sowie galizischer Literatur, aber auch weiterer kultureller Zeugnisse wie Karten, Manuskripte, Periodika, Kunstwerke, Münzen oder Kupferstiche. In diesem Sinne zeugen die Anfänge des Ossolineums von einem Verständnis, das über eine reine Büchersammlung hinausgeht. Sein Ziel war es, ein nationales, auch wissenschaftliche Forschungen ermöglichendes, polnisches Kulturinstitut zu gründen. Durch Schenkungen wie die des Grafen Lubomirski erweiterte sich die Sammlung maßgeblich. Die noch von Ossolinski selbst in eine Stiftung eingebrachte Sammlung war seit 1817 zunächst in Lemberg, in der heutigen Ukraine damals aber im österreichischen Territorium des geteilten Polen beheimatet und ist nun in dem ehemaligen Mathiasstift in Breslau untergebracht. Das Ossolineum hat nach der Warschauer Nationalbibliothek und der Bibliothek der Jagiellonen Universität den Rang einer dritten Nationalbibliothek Polens. Sie umfasst rund 650.000 Bände aus dem 19. und 20. Jahrhundert und etwa 68.000 alte Drucke aus der Zeit vor 1800. (Foto 017+017a)

OssolineumOssolineumDas „Nationalinstitut Ossolineum“ wird von der Polnischen Akademie der Wissenschaften
verwaltet und ist damit nicht nur ein musealer Ort, sondern – wie von seinem Gründer erhofft – ein lebendiger Bestandteil der polnischen Wissenschaftslandschaft.
Nach dieser Einführung konnten wir uns anschließend die bereits im Vortrag erwähnten Schätze ansehen. So besitzt das Ossolineum etwa Werke des polnischen Renaissancedichters Jan Kochanowski, des Calvinisten Jan Leski sowie von Nicolas Kopernikus, Lucas Cranach oder Kasper Straube, der als erster Texte in polnischer Sprache druckte. Neben diesen Werken der Frühen Neuzeit konnten wir auch Arbeiten von bedeutenden Persönlichkeiten späterer Jahrhunderte wie des wohl bedeutendsten polnischen Dichters des 19. Jahrhunderts, Adam Mickiewicz, sowie eindrucksvolle Künstlerbücher betrachten. Doch nicht nur die Exponate, sondern auch das Gebäude selbst, seine einzelnen Räume, den Hof und den parkähnlichen Garten haben wir kennengelernt. So waren wir etwa im Barocksaal oder auf der Aussichtsplattform, von der wir einen guten Blick über Breslau hatten. Während dieser Führung erfuhren wir, dass das prachtvolle Gebäude und der Garten im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich genutzt wurden.

Kaum waren jedoch die interessante Führung beendet, die letzten Fotos geschossen und ein letzter Blick in den Garten geworfen, wartete auch schon der Bus vor der Bibliothek, um uns auf direkten Weg nach Krakau zu bringen. Dort angekommen nutzten wir den Rest des Abends, um einen Vorgeschmack auf die Krakauer Innenstadt zu bekommen, die wir am nächsten Tag näher kennenlernen sollten.

 

Jagiellonische Bibliothek Krakau (3. Tag)

von Kristina Krämer

JagiellonskaBei unserer Ankunft in der Jagiellonischen Bibliothek herrschte helle Aufregung. In der Nacht zuvor hatte es einen Brand gegeben. Zum Glück waren keine schweren Schäden entstanden und abgesehen von einem leichten Brandgeruch konnten wir unsere Besichtigung unbehelligt durchführen. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt, die abwechselnd durch die einzelnen Bereiche der Bibliothek geführt wurden.

Der ersten Gruppe wurde zunächst die Manuskriptabteilung gezeigt, deren Geschichte eng mit der 1384 gegründeten Universität verknüpft ist. Hierbei wurden uns zu jeder der vier Fakultäten Artes Liberales, Medizin, Theologie und Jura eine Handschrift gezeigt. Als nächstes folgte die Abteilung für alte Drucke, bevor wir bei einem Rundgang durch die Bibliothek mehr über ihre Geschichte und die Bestände erfuhren. Das 1996 erweiterte Bibliotheksgebäude umfasst 10 Stockwerke und hat, wenn weiterhin so viele Bücher hinzukommen, vermutlich nur noch für die nächsten fünf Jahre Platz für Bücher.

Insgesamt gibt es in der Jagiellonischen Bibliothek acht Lesesäle, darunter den Hauptlesesaal, einen Lesesaal speziell für Professoren und den Europäischen Lesesaal. Nach Abschluss der Führung blieb uns noch Gelegenheit, uns die Ausstellung „Die Weiblichkeit in der Musik“, mit Autographen z. B. von Haydn, Mozart und Beethoven , die aus auf polnischem Gebiet ausgelagerten Beständen der Berliner Staatsbibliothek stammen, anzusehen, bevor wir uns in Richtung Innenstadt aufmachten, wo es nach einer kurzen Mittagspause mit dem Besichtigungsprogramm weitergehen sollte.

Czartoryski-Bibliothek

von Erik Zielke

Collegium Maius

Collegium Maius

Von Każdy początek jest trudny, – gleichbedeutend mit „Aller Anfang ist schwer“, ist sowohl ein polnisches als auch ein deutsches Sprichwort. So verhielt es sich auch bei unserer Besichtigung der Czartoryski-Bibliothek (sprich: Tscharto’rüsski): Nach einiger Zeit des Wartens stellte sich heraus, dass sich die Czartoryski-Bibliothek keineswegs, wie anfangs vermutet, im Czartoryski-Museum befindet. Selbst die dortigen Mitarbeiter konnten uns nicht weiterhelfen und auch Google Maps versagte. Als wir den Weg dann endlich gefunden hatten, ging alles ganz schnell. Eine Mitarbeiterin der Bibliothek gab uns, verstärkt durch unsere Dolmetscherin Monika Krzynowek, einen Einblick in die Geschichte des Hauses und die wertvollsten Bestände.
Isabella Fortunata von Flemming, die uns heute besser unter dem Namen Fürstin Czartoryska bekannt ist, war eine bedeutende Kunstsammlerin und Mäzenin des 18. und 19. Jahrhunderts und ging als Gründerin des ersten polnischen Nationalmuseums, zu dem auch die besichtigte Bibliothek gehört, in die Geschichte Polens ein. Durch zahlreiche Schenkungen, ambitioniertes Tauschen und das leidenschaftliche Sammeln der Fürstin wuchsen die Bestände zu einer beachtlichen Größe heran, die sich zum überwiegenden Teil aus alten Drucken und Handschriften zusammensetzen.
Zu den eindrucksvollsten Schätzen, die uns gezeigt wurden, gehören einige der frühesten polnischen Drucke von Kasper Straube, aber auch prächtig geschmückte Bibeln und Gebetbücher aus dem persönlichen Besitz der Fürstin, eine Vielzahl alter deutscher und deutschsprachiger Drucke sowie Werke zur Astronomie und Medizin. Den Höhepunkt des Bibliotheksbesuchs stellte allerdings ein äußerst seltenes Buch mit persischen Gedichten dar, dessen Einband mit Seide umhüllt war.
Nach der Czartoryski-Bibliothek folgte eine kurzfristig organisierte Führung durch das Collegium Maius, den früheren Standort der Universität.

Stadtführung Krakau

von Cornelia Lemmen

Am Nachmittag hatten wir Gelegenheit, die Stadt bei einer Führung näher kennenzulernen: Frau Margarete Kieres verstand es, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und hielt neben der ältesten Kirche Krakaus einen Polnischkurs ab, nachdem wir zunächst den Marktplatz mit dem Rathausturm, den Renaissance-Markthallen und dem „größten Aschenbecher Europas“, einen überdimensionierten liegenden Bronzekopf, besichtigt hatten. Neben der Stadtgeschichte wurde auch Kunsthistorisches erörtert und das Lokalkolorit mit der Turmbläser- und der Drachenlegende kam ebenfalls nicht zu kurz. In der Marienkirche konnten wir das herrliche Tryptichon von Veit Stoß bewundern und kurz darauf dem Turmbläser zuhören. Dieser spielt stündlich eine Melodie, um an das Schicksal eines mittelalterlichen Vorgängers zu erinnern, der die Bewohner Krakaus vor einem Mongolenangriff warnte und dies mit seinem Leben bezahlte. Das kurze, abrupt beendete Stück wird sogar im Rundfunk übertragen. Danach ging es am Krakauer Präsidentensitz (dem Pendant zum Bürgermeisteramt) vorbei über den Königsweg zum Wawel, der unter anderem das Königsschloss und die Kathedrale mit den Gräbern von Herrschern und Heiligen (sowie seit Neuestem auch des verunglückten Präsidenten Lech Kczynski) beherbergt. Leider konnte Letztere nicht mehr besichtigt werden, da ein Gottesdienst stattfand und uns der Einlass verweigert wurde. Dafür blieb genug Zeit, um den italienisch inspirierten Renaissance-Innenhof des benachbarten Königsschlosses mit seinen schönen Fresken ausgiebig zu betrachten, um nach dem obligatorischen zur Aussichtsterrasse mit einem beeindruckenden Blick über die Stadt und die Weichsel zu schlendern. Der Sage nach lebte am Fuß des Wawel einst ein Drache, der Jungfrauen verspeiste bis er eines Tages mit einer List unschädlich gemacht wurde. Ein Denkmal erinnert heute noch an ihn und speit in unregelmäßigen Abständen Feuer. Wir hatten das Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und so endete die interessante Führung mit einem wahrhaft feurigen Finale.

Da wir auch diese Nacht in Krakau verbringen sollten und das Besichtigungsprogramm bereits am frühen Abend beendeten, blieb uns genug Zeit, uns Krakau noch etwas genauer anzusehen und den Abend in gemütlichen Restaurants und Kneipen zu verbringen.

 

Besichtigung Czechstochowa (4. Tag)

von Anna Sörries

LesesaalBevor es wieder Richtung Heimat, beziehungsweise Deutschland gehen sollte, ging die Reise zunächst noch einmal ein Stück mehr in das Landesinnere von Polen, zum Kloster in Czechstochowa, wo uns Herr Martin durch den Klosterkomplex führte.
Das Kloster ist vor allem durch das Bild der „Schwarzen Madonna“ weltberühmt und eine Anlaufstelle für viele Pilger. Dieses Bildnis wurde den Mönchen 1384 von dem schlesischen Herzog von Oppeln geschenkt und hat in den darauffolgenden Kriegen einige Narben davon getragen, die auch nach der Restaurierung beibehalten wurden. Doch nicht die „Schwarze Madonna“ war für uns interessant, sondern ein wunderschönes Beispiel für eine barocke Bibliothek, die sich im Klosterinneren befindet. Sie ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und befindet sich im privaten Bereich des Klosters. Darum war es schon ein Privileg für uns Stundent(inn)en, die alten Räumlichkeiten anzusehen.

In der alten Bibliothek gibt es an die 10.000 Bücher, die man jedoch nicht sieht, da sie in insgesamt 2000 hölzernen Boxen aufbewahrt werden, die in den hohen Regalen stehen. Dies hat einen ästhetischen Grund, denn der Raum an sich ist ein Gesamtkunstwerk: Von den Deckenmalereien mit der Inschrift „Haus der Weisheit“ bis zu den Regalen.

Unregelmäßige und ungleiche Bücher würden die Harmonie stören und zudem haben die Boxen den Vorteil, dass die empfindlichen Werke nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Von Medizin, Mathematik, Grammatik und Poetik, Geschichte, Jura und natürlich der Theologie und einer gesonderten Regalabteilung für verschiedene Ausgaben der Heiligen Schrift, ist jede Thematik in dem Raum vorhanden.
Auch die neuere Bibliothek besteht bereits seit 150 Jahren und beeindruckt zwar nicht durch ihre Einrichtung, doch kann sie immerhin elf Räume vorweisen mit nochmal circa 100.000 Büchern. Im 18. Jahrhundert war der besichtigte Raum ein Diskussionsraum für die Mönche und im Zweiten Weltkrieg wurde heimlich Unterricht gehalten, während die Nazis in der Burg lebten.
Die alte Druckerei des Klosters ist nicht mehr intakt, wird jedoch heute als Ausstellungsraum für Touristen und Pilger genutzt. Dort sind die Stiftungs- und Gründungsdokumente des Klosters ausgestellt.

Abbildung: Frauenkirche Dresden

Nachdem wir uns im Trubel zwischen den unzähligen Pilgern noch etwas genauer im Klosterbereich und dem ganz auf Touristen ausgerichteten Angebot an Souvenirläden und Schnellimbissen umgesehen hatten, hieß es mal wieder Busfahren. Wir verbrachten also den restlichen Tag im Bus, der inzwischen schon unsere zweite Heimat geworden war. Erst am späten Abend kamen wir in Dresden an. Trotz der schon fortgeschrittenen Stunde ließen es sich einige von uns nicht nehmen, bei einem nächtlichen Spaziergang die angestrahlte Frauenkirche, den Zwinger und viele andere Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

SLUB Dresden (5. Tag)

von Lisa Moßner

SLUB Dresden Eine Viertelstunde später als geplant kamen wir um 9.15Uhr in der SLUB Dresden an. Begrüßt wurden wir durch Dr. Achim Bonte, Stellvertretender Direktor der SLUB. Er erklärte uns die Entstehung des Namens Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. 1996 wurde sie aus der Sächsischen Landesbibliothek, die 1554 gegründet wurde, und der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Dresden, die 1828 gegründet wurde, zusammengeführt. Aus dem Namen ergeben sich auch die Aufgaben der Bibliothek: Sie soll sowohl Informationen sammeln, bewahren und bereitstellen über Sachsen und für die Universität, als auch die übergeordnete wissenschaftliche Erschließung der Bestände sicherstellen. Nach der Begrüßung folgten zwei weitere interessante Vorträge über Projekte der SLUB: Frank Aurich, Leiter der Abteilung Sammlung, stellte uns das langfristige Digitalisierungsprojekt vor. Hier werden am Tag ca. 50.000 Seiten auf fünf unterschiedlichen Scangeräten digitalisiert. Dabei findet eine Vernetzung mit den verschiedensten Online-Katalogen statt. Zwei kleinere Projekte, das Verfolgen der Provenienzen, vor allem bei Büchern die nach 1945 hinzugekommen sind, um deren Wanderungsbewegungen aufzuzeigen, und das Herausfinden der aktuellen Standorte der sogenannten Beutekunst, stellte er besonders heraus. Die Musikwissenschaftlerin Katrin Bemmann präsentierte uns das DFG-Hofmusikprojekt zum sogenannten Schrank II mit den nicht genutzten Instrumentarien nach dem Siebenjährigen Krieg. Die Noten von u.a. Vivaldi, Telemann und Fasch werden seit 2008 umfangreich katalogisiert, komplett digitalisiert und online zur Verfügung gestellt (u.a. im RISM-Verbundkatalog).

Auf diese Vorträge folgte eine Führung durch das Buchmuseum und den Neubau der SLUB. Das Buchmuseum, 1935 von Erhart Kästner gegründet, wurde gleich in diesen Neubau mit eingeplant und besteht neben einer Sonderausstellung aus der Schatzkammer. In dieser befinden sich viele besonders schöne, seltene und wertvolle Bücher, darunter eine reich verzierte Handschrift einer Historienbibel von Diebold Lauber. Auch zwei Seiten der Gutenbergbibel B42, die als Makulatur im Einband eines Catholicon von Johannes Balbus gefunden wurden, sowie eine Handschrift von Albrecht Dürer über die Proportionen des menschlichen Körpers von 1523, und die gebundene Niederschrift seiner ersten Vorlesung in Wittenberg von Martin Luther, befinden sich in der Schatzkammer. Neben Kodices befinden sich auch besondere Karten, ein Papyrus und ein Tonkegel unter den Schätzen. Ein ganz besonderes Objekt ist einer der drei noch existierenden Maya-Kalender aus dem 13. Jahrhundert, der Einzige, der im Original zu sehen ist.

SLUB DresdenSLUB DresdenIn der darauffolgenden Führung durch das Gebäude konnten wir nicht nur die einzelnen Abteilungen, wie verschiedene Magazine, das Digitalisierungszentrum, verschiedene Lesesäle (u.a. ein Eltern-Kind-Raum), besuchen, sondern auch die ganz besondere Architektur des größtenteils unter der Erde liegenden Gebäudes bestaunen. Hier wurde sehr gekonnt das Thema Buch durch eine Buchregaloptik der Wände immer wieder aufgegriffen. Die SLUB ist sowohl von ihren Büchern her als auch architektonisch eine sehr interessante Bibliothek, die bei Gelegenheit auf jeden Fall wieder besucht werden sollte.
Zum Abschluss der Exkursion gönnten wir uns ein gemeinsames Mittagessen im „Freiberger Schankhaus“. Dort nutzten wir unser letztes gemeinsames Beisammensein, um uns in Form kleiner Präsente bei Prof. Mittler und unserer Organisatorin Christina Schmitz zu bedanken. Da das Restaurant in der Innenstadt lag, nutzten einige die Gelegenheit einen kurzen Blick in die Frauenkirche zu werfen und Souvenirs zu besorgen.
Gestärkt vom guten Essen, machten wir uns auf die lange Heimreise. Als wir am Freitagabend wieder in Mainz eintrafen, zerstreuten wir uns schnell in alle Himmelsrichtungen, denn nach der interessanten, aber auch sehr anstrengenden Exkursion konnten wir es kaum erwarten, wieder in unseren eigenen Betten zu schlafen.

Back To Top