skip to Main Content

2009 Bibliotheken im Einflussbereich der Habsburger

Habsburger_Gruppe

Unsere Gruppe

Prof. Dr. Elmar Mittler, WS 2008/2009, 23.-26.03. 2009

Die nicht extra gekennzeichneten Texte wurden von Marcella Blum und Christina Schmitz verfasst.

Shortcut – unsere Exkursion im Zeitraffer

von Katharina Baumann

Montag früh um 6 Uhr vor dem Mainzer Hauptbahnhof richten sich über 30 Mainzer BuchwissenschaftlerInnen in dem Reisebus „häuslich“ ein, der sie innerhalb von einer Woche bis fast an die rumänische Grenze bringen wird. Der Wind ist unser ständiger Begleiter und Rückenwind können wir gut gebrauchen, denn der Plan ist voll, die Zeit ist knapp. Um 15 Uhr des ersten Tages beginnt unser Sturm auf die Bibliotheken im österreichischen Kloster Melk. Spätestens am Abend in Wien sind alle Köpfe, sofern nicht bereits bequem auf das Kissen der Jugendherberge gebettet, vom Wind, der uns noch einmal schnell durch die Gassen der Altstadt zu Kaiserschmarrn und Wiener Schnitzel jagt, zerzaust. Ja, während der Reise haben wir uns nicht nur den bibliophilen Genüssen hingegeben. Luft und die Liebe zu Handschriften und Inkunabeln allein reichen doch nicht aus zum Leben. Auch die kulinarischen Erfahrungen sollten nicht zu kurz kommen, schließlich braucht der Buchwissenschaftler auch Kraft, wenn er einen schweren Folianten in den Armen hält. So führen unsere abendlichen Spaziergänge durch die schönen Städte an Gulaschsuppe, Käsenockerln, Palatschinken und ungarischem Wein nicht vorbei. Meist ist es nicht einfach, herauszufinden, was sich hinter den Bezeichnungen auf der Speisekarte verbirgt, noch schwieriger ist es, sich an die großen Summen zu gewöhnen, die auf der ungarischen Rechnung stehen. (Hast du noch Korinthen … äh… Forint? Ich kann dir 10.000 Euro geben … äh… Forint.)

Schnell wie der Wind fahren wir also durch das ehemalige Habsburger Land, die Blicke auf die jeweiligen Städte müssen dabei flüchtig bleiben. Hartgesottene TeilnehmerInnen steigen deshalb im Morgengrauen früh um 5 Uhr in Budapest auf den Gellertberg, um die Aussicht auf die Stadt bei Sonnenaufgang zu genießen. Auf den Fahrten im Bus sind die meisten Augen zu, es ist erstaunlich ruhig. Am Samstag früh um 5 Uhr kommen wir wieder in Mainz an; ziemlich geschafft, aber mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen.

Tag 1: Montag, 23. März 2009

Bereits vor 6 Uhr morgens wanken wir noch schlaftrunken aus allen Richtungen auf den Vorplatz des Mainzer Hauptbahnhofs, schlürfen den ersten Kaffee zur Stärkung und richten uns auf den Sitzen unseren Reisebusses sorgfältig ein – immerhin soll der Bus für die kommenden 5 Tage unsere Heimat sein.

Pünktlich um 6 Uhr kehren wir dann – mit 31 Studentinnen, 1 tapferen Studenten und Prof. Mittler fast voll besetzt – Mainz den Rücken und brausen los Richtung Österreich, immer mit einem Blick auf die Uhr, denn unser Programm ist wahrlich vollgepackt: 3 Länder, 9 Orte – und das alles in nur 5 Tagen!

Unser erster Halt ist Dettelbach-Bahnhof: Irgendwo im Nirgendwo! Hier soll uns unser „Hilfsfahrer“ verlassen, der uns bis hierher begleitet hat, damit Kai keine Probleme mit zu langen Fahrzeiten bekommt. Mit einem leicht mulmigen Gefühl, ob unser Fahrer denn von hier auch wieder nach Hause kommen würde, ging es weiter Richtung Österreich!

Historischer Überblick

Kurz nach der österreichischen Grenze befinden wir uns schon im alten Habsburger Land. Prof. Mittler nutzt die Gelegenheit, um uns thematisch ein wenig einzustimmen: wir fahren durch eine Gegend, die gekennzeichnet ist durch das Hin-und-Her-Geworfensein zwischen Süd und Nord und Ost und West. In der Römerzeit war die Donau eine wichtige Grenze nach Norden, so gab es beispielsweise bei Linz ein kleines Heerlager namens Loriacum, heute ein Stadtteil von Enns, von dem aus die Grenze nach Norden gesichert wurde.

Eine erste Änderung der Lage ergab sich durch die anbrandende Völkerwanderung von Osten her, zuerst durch die Bawaren, dann die Langobarden, schließlich die Awaren im 6. Jh. , mit denen die römische Zeit endgültig Vergangenheit ist.

Die Awaren werden aber durch Karl den Großen besiegt: Das Fränkische Reich dehnt sich über Wien hinaus aus… – bis die Ungarn kommen. 907 besiegen sie die Bayern im Gebiet Pressburg. Bereits 955 folgt die nächste Wende in der Schlacht am Lechfeld: Otto II. besiegt die Ungarn, eine Ostmark wird gegründet. Nun setzen sich die Babenberger fest, die ihre Herrschaft zunächst in Melk verorten: hier entsteht eine erste Pfalz, de 968 von Leopold I. gegründet wird, der von Otto II. eingesetzt worden war.

Leopold II. verlegt seine Residenz nach Klosterneuburg, unter Leopold III. schließlich wird Melk kirchlich. Als Leopold der III. von Klosterneuburg nach Wien übersiedelt, wird Wien Residenzstadt. Der Wiener Hof erlangt eine besondere Stellung, spielt eine führende Rolle auch kulturell, beispielsweise halten sich bedeutende Minnesänger wie Walther von der Vogelweide in Wien auf.

Später entsteht unter Friedrich II. (Staufer) und Friedrich II. (Österreich) ein Streit zwischen dem Kaiser und dem Wiener Hof, der zu einem Interregnum führt, das die Schwäche des deutschen Königtum zeigt. Fast ein Jahrhundert lang wird Wien von den nördlichen Herrschern übernommen, erst die Habsburger können Wien zurückerobern.

Gleichzeitig entwickelt Ungarn einige Macht: Matthias Corvinus erobert Wien, und erst in den Zeiten Kaiser Maximilians I. wird Wien wieder österreichisch. Es dehnt sich außerordentlich aus, besonders nach Süden bis Friaul. Durch Heiraten nach Westen (Burgund), Osten und Norden werden die dynastischen Beziehungen gestärkt: so wird Österreich zu einer der großen Mächte. Aber der nächste Feind rückt bereits heran: die Türken! Das erste Mal belagern sie nun 1529 Wien, und nur die Hilfe von polnischen Truppen wird die Stadt nicht zerstört. Es wird eine starke Befestigung gebaut, heute noch erkennbar im Straßenbild durch die Ringe.

Bei der zweiten türkischen Belagerung werden die Feinde systematisch bekriegt und besiegt, besonders durch die Leistungen von Prinz Eugen. Die Blütezeit Österreichs beginnt…

Melk – Stiftsführung

von Katharina Liehr und Alexandra Stegner

Freundlich werden wir von der Stiftsführerin Christine in Melk begrüßt und starten sofort zu einem Rundgang, auf dem wir in die Grundzüge der Klostergeschichte eingeweiht werden. Über die Kaiserstiege erklimmen wir den 196m langen Kaisergang des Gästetraktes im Südflügel des 4 Hektar umfassenden Hauptgebäudes.
Im frühen Mittelalter gründete Benedikt von Nursia den Orden und stellte die noch heute gültigen Ordensregeln auf.

Konzeptmuseum_Raum1

Konzeptmuseum Raum 1

Konzeptmuseum_Raum2

…und Raum 2

Der Beginn des Regelwerks – Höre, mein Sohn, auf die Weise des Meisters – eröffnet die Ausstellung des Stiftsmuseums, die ein ganz besonderes museumspädagogisches Konzept verfolgt: Jeder Raum erwartet den Besucher mit akustischen und visuellen Eindrücken. Die ersten 3 Räume sind in verschieden farbiges Licht getaucht, ein weiterer Raum ist komplett mit Spiegeln ausgekleidet, im nächsten Raum erlebt der Besucher das Auf und Ab des Klostergeschicks direkt nach, indem er kleine Höhen und Täler durchwandert, der letzte Raum stellt die Verbindung zur modernen Kunst her.

Glassarg in der Stiftskirche

Schaurig! – Ein Glassarg in der Stiftskirche

Im Jahre 1702 wurde der komplette Gebäudekomplex abgetragen und unter Leitung von Jakob Prandtauer innerhalb von 37 Jahren im Barockstil neu errichtet. Der ehrgeizige Bauherr Abt Berthold Dietmayer konnte sogar selbst noch die Fertigstellung erleben.

Noch heute ist das Stift Melk ein aktives Kloster. Die Mönche übernehmen die komplette Verwaltung und Organisation des Tourismus, der Landwirtschaft und der angeschlossenen Schule, an der 900 Jungen und Mädchen unterrichtet werden.

Melk – Stiftsbibliothek

von Marcella Blum

Stiftskirche

Die Stiftskirche

Nachdem wir uns den Marmorsaal, das moderne Konzeptmuseum und die Stiftskirche angeschaut haben, stoßen wir nun endlich zum eigentlichen Kern unseres Interesses vor: Die Bibliothek. Im Westen des Stiftes gelegen, als Abschluss des Klostertrakts gedacht und in ihrem heutigen Aussehen im Jahre 1735 fertig gestellt, bietet sie dem buchwissenschaftlichen Betrachter viele interessante Aspekte. Zunächst staunt aber fast jeder über die unglaubliche Schönheit der barocken Saalbibliothek mit Galerie und Kuppeldach.

Dann macht Frau Mag. Christine Preiner, Deutsch- und Lateinlehrerin an der dortigen Klosterschule unserem Staunen ein Ende und füllt unsere Köpfe mit Fakten. Sie erläutert uns die Systematik der Bibliothek und macht uns auf vier große goldene Statuen aufmerksam. Als allegorische Verkörperung der Fakultäten Theologie, Philosophie, Medizin und Jura kann man so auf einen Blick die Aufstellung der Bücher erkennen. Insgesamt beherbergt die Melker Bibliothek rund 100.000 Bände. Darunter auch einige Inkunabeln und 12.000 Handschriften. Die älteste Schrift des Stiftes, so klärt uns Frau Mag. Preiner auf, ist eine niederösterreichische Osterrechnung aus dem 7./8. Jahrhundert.

Der Himmelsglobus von Vincenzo Coronelli

Der Himmelsglobus von Vincenzo Coronelli

Zudem erklärt sie uns, dass das Deckenfresko von Paul Troger die symbolische Darstellung des Glaubens im Gegensatz zur weltlichen Darstellung im Marmorsaal darstellt. Nach einigem Suchen entdecken wir dann auch das Buch mit 7 Siegeln, die Geistestaube und den Herkules im Gefolge der Austria, von denen sie gesprochen hat. Auch die großen von Vincenzo Coronelli gebauten Globen, die zur Standardausstattung einer solchen Bibliothek gehörten, nehmen wir in Augenschein.

Im Zusammenhang mit der Wanderausstellung „Astronomie in Melk“ bekommen wir auch frühe Lehrbücher der Astronomie, Rechnungstabellen und Skizzen von Umlaufbahnen und Sternenkonstellationen zu Gesicht, die besonders drucktechnisch aufschlussreich sind. Frau Mag. Preiner erzählt uns von dem großen astronomischen Interesse der Melker Mönche und dem großen Streit um eine nicht existente Sternwarte.

Bibliothek - Hauptsaaal

Die Bibliothek – Hauptsaaal

Dann betreten wir den kleineren Bibliothekssaal. Auch hier erheben sich die Regale bis zur Decke und in einem weiteren Deckenfresko konnte man weitere Allegorien (diesmal die Scientia) erblicken.
Ursprünglich beinhaltete dieser Raum die Handschriften und war als Vorraum zur eigentlichen Bibliothek gedacht. Mittlerweile werden die Handschriften im Keller gelagert und in den Regalen hauptsächlich historische Werke aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit erregte allerdings ein achtförmig gebogenes rostig-metallen-aussehendes Gebilde, das durch eine gewisse Modernität irgendwie nicht ins Bilde passte.
Aber auch hier hatte Frau Mag. Preiner die Informationen schnell parat. Es handele sich um eine Installation von Andreas Salcher, die die Waldzell Collection beinhaltete. Noch bevor wir uns wundern oder in unseren Köpfen nach den genannten Schlagworten suchen konnten, fuhr sie fort. Jedes Jahr wurde ein Künstler, im Anschluss an das Waldzell-Meeting, aufgefordert sein Lebenswerk, sein Vermächtnis an die Menschheit, in einer Kapsel in ein Fach dieser doch sehr konzeptuellen „Acht“ zu legen. Paolo Coelho, der Dalai Lama, Christo und der Erfinder der Anti-Baby-Pille haben es schon getan und weitere sollen folgen, um am kulturellen Vermächtnis der Menschheit zu arbeiten.

Interessante Drucke in den Berglzimmern

Interessante Drucke in den Berglzimmern

Dann übernahm Frau Mag. Bernadette Kalteis als Bibliotheksmitarbeiterin die Führung und führte uns über eine zierliche Rokoko-Wendeltreppe in die so genannten Bergl-Zimmer. Normalerweise sind diese Räume der Öffentlichkeit nicht zugänglich, sodass wir uns glücklich schätzen konnten in diesen Genuss zu kommen. Allerdings mussten wir uns beeilen. Denn ohne elektrisches Licht wäre das Vergnügen sonst nur von kurzer Dauer. So kniffen wir die Augen zusammen, um in der Dämmerung, die dann doch schneller als gedacht hereinbrach, die ausgestellten Handschriften und Drucke zu betrachten. Ein Werk erregte besondere Aufmerksamkeit. In enormer Detailliertheit zeigte eine Sammlung von Graphiken das Zeremoniell und die Tagesordnung der Erbhuldigung Maria Theresias. Mit einem Augenzwinkern erklärte uns Frau Mag. Kalteis diese frühe Form der „Bild-Zeitung“.

Desweiteren erfuhren wir, dass bis 1960 die Stiftsbibliothek zugleich Schulbibliothek der Klosterschule war und dass auch in diesen Räumen das Deckenfresko Rückschlüsse auf die Ordnung der Bücher zuließ. Sie erklärte, dass sich der Interessensschwerpunkt von Botanik und Geologie über eine Mozart-Musikaliensammlung zu weiteren juristischen, medizinischen und astronomischen Werken hinzieht und gab uns Einblicke in ihre Bemühungen durch Besitzverhältnisse der Bücher die Zusammensetzung der Bibliothek genauer zu erforschen.

Nachdem uns das restliche Tageslicht nun ganz abhanden gekommen war und dies ein weiteres Studium der Bibliothek und der ausgestellten Werke ganz und gar unmöglich machte, warfen wir einen letzten sehr fotogenen Blick zurück und machten uns auf den Weg nach Wien.

Wien – Die Bürokratie einer Jugendherberge

Die Myrthengasse, in der unsere erste Unterkunft liegt, ist zwar schnell gefunden, mindestens ebenso schnell ist aber auch klar, dass der Bus keinen Platz zum Anhalten findet – immerhin residieren wir mitten in den verwinkelten kleinen Gassen der Innenstadt, direkt am Spittelberg. So hält Kai kurzerhand an der nächsten schmalen Bushaltestelle, wir ignorieren fleißig die schimpfenden Autofahrer und den hupenden Linienbus hinter uns, und entladen geschwind unser Gepäck.

Wir halten das Eiltempo und stürmen die Jugendherberge, in der Hand die tausend ausgefüllten Formulare, die uns das Haus bereits per Mail zugeschickt hatte – müsste ja dadurch nun alles schnell gehen beim Check-In!

Weit gefehlt! Wer ist denn jetzt genau mit welchem Teilnehmer in einem Zimmer? Ihre Zimmer haben sich geändert – Sie müssen das neu ausfüllen! Wie viele Personen sind Sie nochmal? Ich muss mir von allem Kopien machen! Da fehlt ein Zimmer! In welchem Zimmer ist der Gruppenleiter? Nein, wie machen wir das bloß? Haben Sie die Hausordnung? – Nur, um einen kleinen Eindruck zu vermitteln… Schließlich, und trotz der Bestätigung, dass die Hausordnung bereits allen Teilnehmern bekannt ist, wird uns doch noch einmal die Hausordnung komplett verlesen, … mit der abschließenden eindringlichen Warnung: Und machen Sie bloß keinen Dampf – das kostet 700 EUR! (Häh?)

Nach über einer halben Stunde können wir endlich unsere Zimmer beziehen – im alten Haus nebenan, versteht sich.

Plötzlich klopft es an der Tür – Katharina ist da! Schon vorher in der Gegend unterwegs, wollte sie unserer Gruppe beim Einchecken in Wien beitreten. Das hätte auch problemlos funktioniert, wenn die Dame an der Rezeption uns denn mitgeteilt hätte, dass eine Teilnehmerin von uns, die ihr angekündigt hatte, sie warte auf die Gruppe aus Mainz, bereits seit längerem im Aufenthaltsraum nebenan sitzt. So aber saß die arme Katharina über eine Stunde im Nebenraum, ohne zu erfahren, dass wir fast zeitgleich eingetroffen waren und inzwischen unsere Zimmer bezogen hatten…

Aber nun – Auf in die Wiener Nacht!

Wie der Wind durchs nächtliche Wien

Hofburg

Die Hofburg bei Nacht

Und das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Wenn man einmal in Wien ist, dann sollte man es auch nutzen. So oder so ähnlich könnte man den Abend überschreiben. Während die einen die letzten Abendstunden zum Speed-Sightseeing nutzten, verbrachten Andere den Abend wesentlich gelassener bei gutem Wein und leckerem Essen. Wien hat halt die verschiedensten Seiten, die wir dann zumindest zusammen alle entdeckt haben.

 

 

 

Tag 2: Dienstag, 24. März 2009

Pleiten, Pech und Pannen

Am zweiten Tag stand das erste große Highlight auf dem Programm: Die österreichische Nationalbibliothek. Bevor wir aber in den Genuss derselben kamen, waren einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen: Um den langen Tag zu überstehen, sollten wir Lunchpakete bekommen. Manche hatten Glück und konnten schon bald ihr in weiße Tüten verpacktes Mittagessen in den Händen halten. Andere leider nicht – sieben der bestellten Pakete fehlten trotz mehrmaligem Nachzählen! Besonders Vegetarier und Nuss-Allergiker schauten in die Röhre. Nach einigem Hin und Her, mehreren Auseinandersetzungen mit dem JH-Personal und einer Warterei, die unseren knappen Zeitplan durcheinander zu bringen drohte, erhielten auch die Übrig Gebliebenen ihre Tüten und konnten sich sogar über eine echte Coca Cola freuen!

Dann ging es los! Zunächst zum Bus, den wir in einem fast halbstündigen Gewaltmarsch quer durch Wien endlich erreichten. Nachdem das Gepäck und die Lunchpakete verstaut waren, ging es im Eiltempo endlich zur Nationalbibliothek, denn dort warteten Prof. Mittler und unser Führer Herr Mag. Anton Knoll peinlicherweise schon viel zu lang.

Wien – Österreichische Nationalbibliothek: Prunksaal

von Carla Bußmann und Anja Schütte

Deckenfresken

Die Deckenfresken

geheimen Sternkammern

Die geheimen Sternkammern

Nach einer kurzen geschichtlichen Einführung auf dem sonnigen Josefsplatz wurden wir in den barocken Prunksaal geführt, der zu den schönsten Bibliotheken der Welt zählt. Erbaut von 1723 – 1726 nach den Plänen des Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach sollte der Prunksaal die Hofbibliothek der Habsburger aufnehmen. Die Deckenfresken fertigte der Hofmaler Daniel Gran bis 1730 an. Heute beherbergt der Prunksaal 200.000 Bücher von 1501 – 1850, darunter die 15.000 Bände umfassende Sammlung des Prinzen Eugen von Savoyen (1663 – 1736).

Nach der Besichtigung des Saales und der künstlerischen Ausstattung wurden uns einige ausgewählte historische Druck- und Handschriften fachkundig vorgestellt.
Auch wenn sich der Boden aus roten und weißen Marmorplatten zu einem kunstvollen Muster zusammengefügt, mussten wir feststellen, dass auch die prunkvollste Ausstattung ohne (Fußboden-)Heizung zu Frostbeulen und kalten Füßen führen muss.

Wien – Österreichische Nationalbibliothek: Handschriften und Alte Drucke

von Nancy Stoeckert

Im Prunksaal interessierten uns vor allem die historischen Handschriften und Drucke. Zunächst einmal sahen wir uns sehr interessante schöne Einbände an, bei denen sehr anschaulich der Wandel vom liegend gelagerten Buch zu nebeneinander gestellten Büchern erkennbar wurde. Einige wenige Einbände waren noch mit den typischen Knöpfen zum Schutz des Einbandes versehen, sie besaßen auch noch eine Schließe. Damit jedoch alle Werke einheitlich aussahen, ließ man oft einen neuen Einband anfertigen. Manchmal wurden auch lediglich die Schließen und Knöpfe entfernt, die bei der nebeneinander stehenden Aufbewahrung die anderen Einbände zerstört hätten. Wir haben uns ein Werk aus Basel von Erasmus von Rotterdam angesehen mit einem sehr schönen Renaissance-Einband. Weiterhin durften wir die letzte zu Lebzeiten Luthers entstandene Ausgabe der Bibel in den Händen halten. Bei diesem Druck von 1545 handelte es sich um einen handkolorierten Druck der Erstausgabe. In diesem Jahr 2009 feiern wir das Jahr der Sterne, also der Astronomie und der Astrologie. Aus diesem Grund haben wir uns auch einige Werke zu diesem Thema angesehen. Unter anderem ein in Berlin zum Grauen Kloster gedrucktes Buch mit bemalten Holzschnitten über die Astrologie. Auch einen Orbis Pictus von Comenius haben wir uns angesehen. Diese Ausgabe wurde von Pichler in Wien verlegt und enthält Übersetzungen in die drei Sprachen Ungarisch, Französisch und Deutsch. Ganz besonders wertvoll war eine für 45.000 EUR ersteigerte Erstausgabe von 1543. Dabei handelte es sich um das Werk De Revolutionibus Orbium Coelestium von Nikolaus Copernikus, welches allerdings mit einer Neubindung aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet war.

Prof. Gamillscheg mit kostbaren Handschriften

Prof. Gamillscheg mit kostbaren Handschriften

Im Anschluss präsentierte uns Prof. Gamillscheg, ein Byzantinist, eine astronomisch und astrologische Handschrift. Das Buch war in der gotischen Textualis einspaltig und auf Pergament geschrieben. Es wurde in der Wenzels-Werkstatt hergestellt. Die Seiten waren mit Rankendekorationen und kunstvoll gestalteten Initialen ausgestattet z.B. mit einem astronomischen Gerät, einem Winkelmesser, als Initiale. Das Buch enthielt eine Sammlung der Tierkreiszeichen, verschiedene Sphären-Kreise, z.B. der Tiere, der Pflanzen, der Flüsse, der Steine usw. und außerdem enthielt es noch eine Liste der Könige in Form von gemalten Medaillons mit einer Beschreibung daneben. Am Schluss betrachteten wir noch ein Buch über die Wirkung der Sterne, welches auf dem Weg nach Bologna verfasst wurde. Es ist zweispaltig geschrieben und handkoloriert mit Initialen und Randdekorationen. Sehr beeindruckend war jedoch, dass wir beinahe jedes Werk auch in unseren eigenen Händen betrachten durften und wir Zugang zu Werken erhielten, die sonst nicht so einfach betrachtet werden können.

Eine reich ausgestattete Bilderhandschrift

Bilderhandschrift

Der Augustinerlesesaal

Der Augustinerlesesaal

Wien – Fideikommissbibliothek

Nur sehr wenigen Besuchern vergönnt ist ein Blick in die Fideikommissbibliothek der Habsburger: die private Hausbibliothek, die immer an den ältesten Sohn des Hauses vererbt wurde und einen eigenen Standort innerhalb des Hofburgkomplexes hat. In zwei rechteckigen Sälen sind die Bücher noch in originalen Holzregalen aufbewahrt, nur einige haben eine neue Glasfront zum Schutz.
Zur Zeit wird versucht, die Provenienzen in den ca. 116.000 Bänden zu erfassen und zu erforschen. 40% des Bestandes ist schon in internationalen Katalogen recherchierbar, der Rest wird in der nächsten Zeit folgen.

Die Fideikommissbibliothek

Die Fideikommissbibliothek

Die kaiserliche Fideikommissbibliothek ist Bestandteil des Bildarchivs der ÖNB, der größten Bilddokumentationsstelle Österreichs. Hier werden eine umfangreiche Portraitsammlung, das eigentliche Bildarchiv und die Bibliothek gemeinsam verwaltet. Neben vielen ausgewählten Werken der Bibliothek, die wir selbst durchblättern konnten, zeigte uns Herr Dr. Hans Petschar auch die Digitalisierungsstelle im Bildarchiv, die es in kürzester Zeit geschafft hat, die gesamte Sammlung zu digitalisieren. In einem zweiten Schritt arbeiten die Projektmitarbeiter nun an einer detaillierten wissenschaftlichen Erschließung.

Als nach 4-stündiger Führung durch die Hallen der Nationalbibliothek mehrheitlich die Köpfe rauchten, blieb uns noch eine halbe Stunde in Wien. Man schwärmte aus, um sich entweder mit Proviant, Kaffee oder Ähnlichem einzudecken oder, um zumindest ein wenig die Wiener Atmosphäre zu genießen. Ganz geschickt waren jene, die Nahrungssuche und Wiener Kaffeehauskultur miteinander verbanden und ein Stück Esterhazy- oder Sachertorte mit in den Bus nahmen.

Pannonhalma – Abteibibliothek

von Christopher Ide

Wir haben Wien nach Osten verlassen und sind nun unterwegs Richtung Budapest. Hier und da werden aufwendig verpackte Wiener Köstlichkeiten aus Tüten des Hofzuckerbäckers Demel geholt und genüssliche Hmhs schweben durch den Bus. Anschließend wird es still und das monotone Brummen schaukelt uns davon.

Das Land um uns rum ist flach. Da sieht man in einiger Entfernung ein großes Gebäude auf der Spitze der höchsten Erhebung, wie es ruhig über seine Umgebung wacht. Wir nähern uns unserem nächsten Stop: Pannonhalma. Am Fuße des Hügels fahren wir durch ein kleines Dorf mit gedrungenen Häusern. Kaum ein Mensch ist zu sehen, nur ein Hund huscht über die Straße und einige Katzen jagen sich durch die Gärten oder schauen uns ungerührt hinterher.

Doffa und das Totenkopf-Tor

Doffa und das Totenkopf-Tor

Um 15.45 h erreichen wir Pannonhalma. Dort werden wir bereits vom Abt Miksa erwartet, der uns in den nächsten zwei Stunden mit Charme, Witz und Seelenruhe durch seine Abtei führen wird.

996 von Großfürst Gésa zu Ehren des Heiligen Martin von Tours errichtet, erhält Pannonhalma im Jahr 1001 seinen Privilegienbrief und ist somit die älteste Benediktinerabtei Ungarns. Das Kloster liegt in einer Gegend die in den letzten Jahrhunderten turbulente Zeiten miterlebt hat. Abt Uros, der Erbauer der heute noch stehenden Kirche, schlug auf den Klostermauern den Angriff der Mongolen zurück und zur Türkenzeit war es eine Grenzfestung. Anschließend wurden die beschädigten Gebäude im Barockstil wieder aufgebaut und erweitert. Heute beherbergt die Abtei Ungarns älteste Schule. Das Mosaik am Turm weist uns mit den Worten „Ihr sollt lehren“ darauf hin. Darunter sehen wir ein großes kupfernes Portal welches sich die Abtei zum 1000. Geburtstag selbst zum Geschenk machte. Seine Reliefarbeiten erzählen Geschichten die sich um das Thema „Berge“ ranken.

alter Bücherschrank

Bücherschrank – typisch für die Zisterzienser

Durch eine Tür auf der der Paradiesgarten abgebildet ist betreten wir das Klostergebäude. Die Kirche ist entgegen aller Erwartung angenehm warm. Sie ist auf dem höchsten Punkt des kleinen Berges errichtet, der bis knapp unter den Boden reicht und an manchen Stellen, wie im Kreuzgang, sogar freigelegt ist. Stolz erzählt uns Miksa, dass Papst Johannes Paul der II. die Abtei besucht und auch schön mitgesungen hat. Nächstes Jahr erscheint vom Vatikan sogar eine Briefmarke mit einer Abbildung von Pannonhalma.

Im Kreuzgang von 1486 sehen wir eine Nische die einst ein Buchschrank nach zisterzienser Art war.

Kleine steinerne Eidechsen sollen uns daran erinnern, dass wir in der Kirche zu neuen Kräften kommen können. Leider kann sich heute kaum noch jemand an diese Symbolik erinnern und so werden auch wir die kommenden Tage noch mit Müdigkeit zu kämpfen haben.

Die Abteibibliothek – aus dem 19. Jahrhundert

Die Abteibibliothek – aus dem 19. Jahrhundert

In der Abtei hat jeder Raum und jeder Gang einen anderen, eigenen Geruch. Praktisch ist das, wenn man sich nachts bei Dunkelheit zurechtfinden muss. Wir können uns jedoch auf die Ortskenntnisse von Abt Miksa verlassen, der uns, nachdem wir die Fresken von Antonio aus dem Jahre 1731 im Refektorium, dem Speisesaal, bewundert haben, in die Bibliothek führt. 1831 wurde der erste Teil der heutigen Bibliothek erbaut – damals noch im Stil einer Basilika. Doch aus statischen Gründen und Platzmangel wurde die Holzkonstruktion später geändert. Das Deckengemälde zeigt uns wieder Motive der Mythologie und in einer Ecke ist Archimedes zu sehen wie er den Satz des Pythagoras zeichnet.

Pater Miksa und Prof. Mittler im Gespräch

Pater Miksa und Prof. Mittler im Gespräch

Die Bibliothek zählt heute 350.000 bis 400.000 Bände sowie 18 Codizes. Ein Evangelistar von 1510, das in Pannonhalma geschrieben wurde, konnte von der Staatsbibliothek zurückgekauft werden. In ihm sind ein paar Putti zu finden, die ein Steckenpferd reiten.

Die Säkularisation in Deutschland brachte einen großen Teil der dortigen Bibliotheken in Antiquariate von wo viele Bücher ihren Weg nach Pannonhalma fanden. Außerdem ist der einzige Wiegendruck von Papst Alexander VI. im Besitz der Abtei.

Nachdem wir es uns in der Prälatur herrschaftlich gemütlich machen durften und Geschichten von Miksa lauschten, ist es wieder an der Zeit den Weg nach Budapest fortzusetzen. Dank der sanitären Anlagen sind wir gut vorbereitet und fahren schon bald dem Abend entgegen, während hinter uns die Sonne in glühendem Rot die Bühne verlässt.

In der Prälatur

In der Prälatur

Pater Miksa

Pater Miksa zeigt uns die älteste Handschrift

Budapest – Ungarische Gemütlichkeit

Nach circa 2-stündiger Fahrt durch das ungarische Flachland erreichen wir Budapest. Es herrscht viel Verkehr und die Straßenführung ist irreführend. Trotzdem erreichen wir bald die Jugendherberge und können Quartier beziehen. Dank der brillanten Idee, den Herbergsvater bei unserer Suche nach Restaurants um Rat zu bitten, konnten wir den Abend bei typischer Gulaschsuppe und dem ein oder anderen Bier gemütlich ausklingen lassen.

Die Stephanskirche bei Nacht

Die Stephanskirche bei Nacht

Köstlichkeiten in einem Bistro im jüdischen Viertel

Köstlichkeiten in einem Bistro im jüdischen Viertel

3. Tag: Mittwoch, 25. März 2009

Die Morgensonne begrüßt den Burgpalast

Die Morgensonne begrüßt den Burgpalast

Wenig Schlaf gab es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Zumindest für einige: 16 unerschrockene Frühaufsteher machten sich in aller Herrgottsfrühe auf, um die Sonne vom Gellertberg aus über Budapest aufgehen zu sehen.

Vom Rest belächelt oder schlicht für verrückt erklärt, bot sich uns so ein wunderschöner Anblick, für den sich die Strapazen des Aufstiegs wirklich lohnten. Bei Kaffee aus der Thermoskanne wurden dann zahlreiche Beweisfotos geschossen, damit man den Übrigen beim Frühstück von diesem Erlebnis in Bild und Wort berichten konnte.

Ungarische Spezialitäten

Ungarische Spezialitäten

Nach einem kurzen Abstecher in die zentrale Markthalle von Budapest, in der wir uns mit allerlei ungarischen Köstlichkeiten wie Salami, Paprikapaste, Welschriesling und Tokajer eindeckten, wurde erst einmal ordentlich gefrühstückt, um dann voller Energie zur Ungarischen Nationalbibliothek zu aufzubrechen, die wir schließlich über Aufzüge erreichten.

Budapest – Ungarische Nationalbibliothek

von Johanna Mahn und Jasmin Rackl

Die Ungarische Nationalbibliothek

Die Ungarische Nationalbibliothek

Die insgesamt fast 50.000 Quadratmeter umfassende Ungarische Nationalbibliothek ist ein von außen wie von innen sehr beeindruckender Bau. Sie ist 100 Meter lang, 40 Meter breit und wurde nach der Komplettzerstörung im Zweiten Weltkrieg innerhalb von 30 Jahren wieder neu aufgebaut. 1803 wurde sie von Graf Ferenc Széchényi gegründet – damals allerdings noch nicht als Nationalbibliothek anerkannt, und seit 1985 befindet sie sich auf dem Burghügel in Budapest.

Der zur Gründungszeit amtshabende König hatte seinen Sitz in Wien, und so kam es, dass eine österreichische Nationalbibliothek begründet wurde, allerdings keine ungarische.
Doch die Geschichte der Buchsammlungen geht weitaus ferner in die Vergangenheit, obwohl die relativ hohe Anzahl an – zumeist deutschen – Druckereien im Land in einem unverhältnismäßigen Maßstab zu der sehr geringen Buchpopulation stand. Trotzdem trug Ungarn ungefähr zehn Prozent der europäischen Buchproduktion bei, heute ist es nur noch zirka ein Prozent.

Anfangs erschienen Publikationen hauptsächlich auf Latein, bis 1848 war Latein sogar die Amtssprache in Ungarn, nur in Siebenbürgen hatte sich schon eher das Ungarische durchgesetzt. Es war üblich, dass Adelsfamilien Höfe mit eigenen Hofbibliotheken gründeten, doch nicht viele Bücher sind überliefert, nur zirka 5.000 wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau gebracht, ein Teil liegt heute beispielsweise in Eisenstadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Privatsammlungen enteignet, alle sollten ihren Besitz in einem zentralen Katalog der Nationalbibliothek verzeichnen lassen, der kostenlos benutzt werden kann.

Bei unserem dreieinhalbstündigen Besuch erhielten wir von Bibliotheksleiter Prof. Istvan Monok zunächst eine allgemeine Einführung über die Geschichte und den Hintergrund der Nationalbibliothek und wurden anschließend durch die Stockwerke geführt. Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek beruhen auf der ungarischen Literaturgeschichte und Literatur und der ungarischen Geschichte allgemein.

Besonders beeindruckend waren das Leserad aus dem Mittelalter, die Gesamtausgabe Shakespeares, ein Nachbau seines Geburtshauses sowie das kleinste und das größte Buch Ungarns. Im Anschluss an die Führung hörten wir zwei Vorträge, in denen es um herausragende Handschriften der Sammlung, deren Digitalisierung und bedeutende alte Druckwerke ging.

Präsentation von Alten Drucken und Handschriften

Präsentation von Alten Drucken und Handschriften

Der erste Vortrag behandelte hauptsächlich die Besonderheit der Corvinen-Handschriften, von denen noch 35 Bände in der Nationalbibliothek, zirka 50 in Ungarn erhalten sind.
Besonders herausragend fanden wir beim zweiten Vortrag, dass das erste Druckwerk – in Buda – eine Chronik und keine Bibel war, und dass es hier die größte nationale Sammlung an Inkunabeln in der Nationalbibliothek gibt (1.700 Exemplare), die auch über das Internet abrufbar ist.

Debrecen – Universitätsbibliothek

von Marlene Sturm

Nach einer langen Busfahrt kamen wir am Mittwoch um 17 Uhr in Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns, an. Wir wurden freundlich begrüßt und in die Räume der Österreich-Bibliothek geführt. Dort versammelten wir uns alle um einen Tisch und wurden über den alten Buchbestand der Universitäts- und National Bibliothek der Universität Debrecen informiert.

In der Uni von Debrecen

In der Uni von Debrecen

Diese Bibliothek ist die zweitgrößte Ungarns und auch die zweite Nationalbibliothek. Die Universität wurde 1912 gegründet und 1918 die Bibliothek. Hier gibt es ca. 30 000 Exemplare ungarischer und ausländischer Bücher, die vor 1850 erschienen sind. Der Bestand kam durch Schenkungen und gekaufte Sammlungen der Revez Familie, des Grafen Jozsef Dessewfty und der Bibliothek Sajvkaza, zusammen.

Erst seit 1969 wurden die Possesorenvermerke erforscht. Aus den Ergebnissen dieser Forschung entstanden Bibliographien. Jedoch wurde die Arbeit mit den alten Büchern erst 2009 weitergeführt und sie wurden in den Onlinekatalog aufgenommen. Hierbei war es für die Bibliothekare wichtig auf einheitliche Bezeichnungsformen und Angaben zu achten. Um diesen Vorgang voranzutreiben wurden Karteikarten mit den Informationen über die Bücher in e-Daten konvertiert und verschlagwortet. Es wurden weitere Informationen über das jeweilige Buch hinzugefügt und die Aufnahmen somit optimiert. All dies ist im Onlinekatalog nun verfügbar. Es gibt hier auch das Projekt der Digitalen Bibliothek, in der Noten, Zeitschriften und alte Bücher (Hungarica) im Internet verfügbar sind. Die Bibliothek plant die Digitalisierung auszuweiten und fortzuführen. Während diesem interessanten Vortrag, der extra für uns in sehr gutem deutsch (!!) gehalten wurde, konnten wir diverse Inkunabeln und Handschriften selber in die Hand nehmen und begutachten, was alle begeisterte, da dies natürlich keine Selbstverständlichkeit ist.

Ein weiterer Höhepunkt war das abschließende Buffet mit ungarischem Gebäck! Alle Beteiligten haben sich wirklich sehr um und bemüht und wir sind alle sehr beeindruckt von der Arbeit der Bibliothekare und der Freundlichkeit mit der wir hier empfangen wurden!

Debrecen – unser Komfort-Highlight

Abends im „Belgar“

Abends im „Belgar“

Nachdem wir schon in der Universitätsbibliothek mit einem Empfang überrascht worden waren, erlebten wir beim Einchecken in unsere Unterkünfte eine weitere Überraschung: große Zimmer mit eigenem Bad und sogar einem Fernseher warteten auf uns. Nach so vielen Nächten in den unterschiedlichsten Jugendherbergen war die Freude groß, so dass sich schnell alle einig waren: Debrecen war ein Highlight. Zudem muss lobend und dankend erwähnt werden, dass wir ohne Tinas hervorragende Dolmetscherqualitäten diesen Komfort kaum hätten nutzen bzw. uns auch mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Schnitzel hätten bestellen können. Also, liebe Tina, an dieser Stelle herzlichen Dank!

Den Abend ließen wir alle bei gutem Essen ausklingen, die meisten im Restaurant Belgar, das nicht nur kulinarisch, sondern auch von der ganzen Atmosphäre und der Exzellenz der Kellner her beeindruckte.

4. Tag: Donnerstag, 26. März 2009

Ein gelungener Start in den Tag?

Nach einer wirklich erholsamen Nacht in unseren Luxus-Pensionen Nemethy und Korona denken wir erstmal mit etwas Widerwillen ans Aufstehen – so bequem wird es sicher nicht mehr so schnell werden! Aber das geräumige private Bad lockt mit einer sauberen Dusche und frischen Handtüchern, so dass es dann doch funktioniert. Und erst das Frühstück!!! Mit Joghurts, verschiedenen Früchten, Müsli und allerlei anderen Leckereien verwöhnt brauchen wir den drohenden Skorbut nicht mehr fürchten. Obwohl… leider hatte nur die Nemethy-Gruppe das Glück, dieses tolle Buffet zu genießen, denn wie schließlich die Korona-Bewohnerinnen erzählten, mussten sie sich spartanisch mit Marmelade begnügen!

Debrecen – Bibliothek des Reformierten Kollegs

Also nur teilweise gut gestärkt machten wir uns auf den kurzen Fußweg zum Reformierten Kolleg, das mit seiner eleganten Schlichtheit einen schönen Kontrast zu den bisherigen Besichtigungsorten darstellte. In einer Führung durch die Ausstellungsräume des Museums wurden wir über die ungewöhnliche Geschichte des Ortes („das größte Dorf Europas“) und des Kollegs informiert, denn Debrecen gilt als das calvinistische Rom! 80-90% der Bevölkerung gehören dem reformierten Glauben an.

Das Museum ist in zwei Abteilungen gegliedert: der erste Bereich widmet sich dem Kolleg und präsentiert historische Objekte zur Gründung, zum Lehralltag und zu Entwicklung und Ausbreitung der calvinistischen Ideen, während der zweite Bereich Gegenstände zur religiösen Praxis und zum Gemeindeleben zeigt. Wir erfuhren unter anderem, dass das Kolleg 2.000 Studenten beherbergte, die von nur 2 Professoren unterrichtet wurden. Dieses System konnte nur funktionieren, weil die älteren Studenten die jüngeren selbst unterrichteten. Der Einzugsbereich reichte 300-400km weit, und jährlich wurden ca. 60-70 Studenten als Lehrer an die 160 Partikelschulen im ganzen Land und aus ins Ausland entlassen. Der gute Ruf der Schule breitete sich immer mehr aus.

Beeindruckend waren auch die Informationen zum Druckwesen der Stadt, denn 53% der in Ungarn geruckten Bücher stammen aus Debrecen. In ganz Ungarn wurden früher ca. 30% der Schriften in ungarischer Sprache gedruckt, während es in Debrecen 70% waren. Bereits seit dem 16. Jh. gibt es in Debrecen Druckereien.

Die Bibliothek des Reformierten Kollegs

Die Bibliothek des Reformierten Kollegs

Im ersten Stock konnten wir dann einen Blick in die ganz in weiß gehaltene Kapelle werfen, und die Fresken im Flur bewundern, bevor wir schließlich hinauf in den zweigliedrigen Bibliothekssaal gelangten. Der Saal bestach vor allem durch seine durchdringende grüne Farbe, die erst vor wenigen Jahren neu angebracht worden war. Bei den ausgestellten Büchern konnten wir uns die typisch calvinistische Gestaltung der Einbände vor Augen führen, deren florale Muster die markantesten Erkennungszeichen sind. Außerdem waren einige Schmähschriften gegen Papst und Katholiken mit herrlich verhöhnenden Bebilderungen ausgestellt, die alle amüsierten. Mit ihren 700.000 Büchern besitzt die Stadt die größte theologische Bibliothek in ganz Ungarn. Leider steht der Bibliothek heute aber nur noch ein minimaler Etat von ca. 2.000 EUR im Jahr zur Verfügung, um neue Literatur zu kaufen.

Nostalgische Straßenbeleuchtung in Debrecen

Nostalgische Straßenbeleuchtung in Debrecen

Wie immer sind wir dann aber auch schon wieder in Zeitnot. So brausen wir schnell noch zur Reformierten Kirche, um zumindest ganz kurz noch einen Blick hinein zu werfen. Der geforderte Eintritt schreckt uns aber ab, so dass wir uns unverrichteter Dinge auf den Rückweg zum Bus machen.

Kleine Unstimmigkeit

Bei diesem vollgepackten Plan bleibt es leider auch nicht aus, dass sich Stress und Hektik irgendwann äußern. Da inzwischen bei einigen Teilnehmerinnen der Reiseproviant und vor allem die Trinkwasservorräte ausgegangen sind, nutzen manche den Weg zum Bus, um sich noch ganz schnell im Supermarkt auf dem Weg mit dem Nötigsten einzudecken. Und das hätte zeitlich auch alles in den Plan gepasst – es dauert ja doch eine ganze Weile, bis ein Tross von 34 Personen den Bus erreicht – aber wie es der Zufall, oder wollen wir es „bad karma“ nennen, will, reihten sich die ungeplanten Zwischenfälle aneinander: zuerst ist die Kassenbon-Rolle leer, die die Kassiererin umständlich erneuert, und dann reißt der Kundin vorne eine riesige Tüte, so dass die darin enthaltenen Äpfel durch den ganzen Laden rollen und erst wieder eingesammelt und in eine neue Tüte verpackt werden wollen, bevor das kassieren weitergehen kann. Sh… happens!

Dieses Chaos führte leider zu einer Verspätung, der Bus mit den restlichen Studenten und Prof. Mittler musste warten! Und das war für den eng gestrickten Zeitplan ein Problem. Herr Mittler war verständlicherweise verärgert, alle Gemüter erhitzten sich ein wenig über den zu vollgepackten Zeitplan, aber schließlich konnten die Unstimmigkeiten wieder beigelegt werden, auch dank der versöhnenden Worte von Carla!

Eger – Zeit zum Aufatmen

Trotz der Abfahrt-Verzögerung in Debrecen konnten wir unseren Zeitplan erstaunlicherweise nicht nur einhalten, sondern waren dank unserem Bus-Flitzer Kai sogar so früh in Eger, dass wir Zeit für einen kleinen entspannten Stadtbummel durch die Fußgängerzone dieses idyllischen kleinen Ortes hatten. Und selbst einen Cappuccino mit einem köstlichen Stück Torte konnten wir uns leisten.

So schlenderten wir mit aufgetankten Seelen und neuer Energie unserem nächsten Besichtigungsort, dem Erzbischöflichen Palais entgegen, in dessen ehrwürdiger Eingangshalle uns ein gutgelaunter Prof. Attila Verok begrüßte.

Die „Flaniermeile“ in Eger

Die „Flaniermeile“ in Eger

Köstlichkeiten in der Konditorei

Köstlichkeiten in der Konditorei

 

 

 

 

 

 

 

 

Eger – Erzbischöfliches Palais

Katharina und Vera

Mit einem leicht schadenfreudigen Funkeln in den Augen erklärte uns Prof. Verok, dass wir nun zunächst gemeinsam über 400 Stufen überwältigen müssten. Aber um uns zu schonen, würde er zwischendrin kurze Stopps einplanen…

Der erste dieser Stopps fand im so genannten „Zauberturm“ statt: dort konnten wir mit der Hilfe einiger sehr netter Mitarbeiter die Geheimnisse der Physik lüften, indem wir einigen interessanten Experimenten zur Elektrizität, zum Magnetismus, zur Schwerkraft und zu manch anderen faszinierenden Phänomenen beiwohnen durften. Der Höhepunkt folgte aber erst nach einem weiteren Stopp in der ehemaligen Sternwarte, in der einige beeindruckende astronomische Geräte ausgestellt waren: wir durften in die Camera Obscura eintreten und nach einer kurzen Einführung in die Funktionsweise selbst erleben, welch grandiose optische Möglichkeiten die einfachsten Mittel bieten. Allein durch die Projektion der Sonnenstrahlen auf einen drehbaren Tisch mit weißer Oberfläche mittels eines justierbaren Spiegels konnten wir einen virtuellen Stadtrundgang machen!

Die Erzbischöfliche Bibliothek in Eger

Die Erzbischöfliche Bibliothek in Eger

Nach einer kurzen Pause auf der Dachterrasse des Palais, die wir für ein schönes Gruppenfoto nutzten, ging es weiter in die Bibliothek.

Dort wurden wir schon von der Bibliotheksleiterin erwartet, die uns einen Überblick über die Geschichte der Bibliothek und den Bestand gab: seit 200 Jahren spielt die erzbischöfliche Bibliothek in Eger eine wesentliche Rolle im Kulturleben des Landes. Was die Größe anbetrifft, so ist diese mit den 130.000 Bänden in ihrer Art nach Pannonhalma und Esztergom die dritte im Lande. Besonders beeindruckend ist die Gestaltung des Bibliothekssaales mit einem überragenden Deckengemälde von Johann Lukas Kracker (1717-1779), das das Tridentinische Konzil dargestellt und das durch die gemalte hinaufstrebende Kuppel den Anschein erweckt, als läge die Decke in unendlicher Höhe – eine gelungene Illusion! Die Wände der Fensternischen sind weiß gestrichen, und um den Eindruck zu erwecken, es gäbe Fenster auf beiden Seiten des Raumes, hat man genau gegenüberliegend die Bücher in den Regalen mit weißen Einbänden ausgestattet. Bücher und Innenarchitektur sind hier in einen Einklang gebracht!

In einer gut beleuchteten Ecke des Raumes zeigte uns Prof. Verok im Anschluss einige sehr interessante Bücher der Sammlung, beispielsweise ein Buch mit einer handschriftlichen Widmung von Goethe, oder die Schrift „Von den Mängeln der Weiber“, deren Titel ein eifriger Leser mit den Worten ergänzt hat „Ein jeder hat Mängel, also auch die Männer“. Ein Rätsel hatten wir in einem weiteren Buch zu lösen, denn das Druckjahr war als Bilderrätsel dargestellt – ganz auflösen konnten wir es leider nicht.

Nach einem kurzen Blick in die Kapelle nebenan begleitete uns Prof. Verok zurück zum Bus und überreichte uns zum Abschied sogar eine Tüte mit Geschenken: Kugelschreiber und Broschüren zur Univesität, zu der das Erzbischöfliche Palais gehört.

Auf in die Slowakei

Unser nächstes Ziel war Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei! Die Fahrt dorthin sollte mit 5 Stunden sehr lange dauern, so dass es nötig wurde, eine längere Pause einzulegen, da Kai nicht länger als 4 Stunden am Steuer sitzen darf. Nach einer kaum enden wollenden Odyssee durch den Budapester Berufsverkehr, durch den geleitet wurden, weil ein Stück Autobahn als Umgehung noch fehlt, hielten wir also irgendwo an einer Raststätte, die jedoch nichts zu essen bieten konnte. Da wir nach dem langen Tag aber alle hungrig waren, fuhren wir schnell weiter, um doch noch eine andere Raststätte zu finden. Tatsächlich wurden wir bald fündig, und verprassten unsere letzten Forint bei Suppe, Salat und Sauerkrauteintopf.

Erst gegen 23.30 Uhr erreichten wir unser Hostel in Bratislava – da war es kaum verwunderlich, dass alle müde waren, und nur die wenigsten noch die Kraft hatten, einen nächtlichen Blick in die Stadt zu werfen: ein kleines Grüppchen von Hartgesottenen machte sich also gegen Mitternacht auf den Weg zu einem Schlummertrunk mit Cocktails.
Sich über die torkelnden einheimischen Gäste der Bar amüsierend, reichte die Kraft sogar noch für ein kleines Tänzchen in der Kellerbar. Erst gegen 2 Uhr früh wankten die 5 schlaftrunken zurück ins Hostel. Doch die Nacht sollte aufregend bleiben: zunächst nervten die lauten Spanier, die sich auch von Tanjas tosendem „Silentio“-Ruf kaum beeindrucken ließen, und dann durften manche noch ein kleines Stelldichein eines US-Pärchens im Nebenflur miterleben, zumindest mit anhören!

5. Tag: Freitag, 27. März 2009

Das überfüllte Café Bisou

In der Altstadt von Bratislava

In der Altstadt von Bratislava

Der letzte Tag sollte mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet im Café Bisou beginnen, das laut Angaben 30 Personen Platz bietet. Da ein Teil unserer Gruppe schon etwas früher aufgebrochen war, rechneten wir damit, dass wir mit unseren insgesamt 31 Personen keine Platzprobleme bekommen würden… Aber einmal mehr: Falsch gedacht! Zum einen gab es in diesem Café definitiv keine 30 Sitzplätze, zum anderen hatte das Café, obwohl es wusste, zu welcher Uhrzeit unsere Gruppe eintreffen würde, auch anderen Gästen einen Tisch angeboten! So konnten wir das tatsächlich gute Frühstücksbuffet überhaupt nicht genießen, sondern mussten alles schnell in uns hinein stopfen, um pünktlich zu unserer nächsten Besichtigung aufbrechen zu können. Schade!

Bratislava – Universitätsbibliothek

Pünktlich um 9 Uhr erreichten wir nach einem kleinen Spaziergang durch die schon belebte Obchodna und die noch verschlafene Altstadt die Bibliothek, vor der uns Prof. Mittler und der Bibliotheksleiter Prof. Androvic schon erwarteten.

Innenhof der Universitätsbibliothek

Innenhof der Universitätsbibliothek

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der Kollegen, die uns das Gebäude zeigen würden, teilten wir die Gruppe in zwei kleinere auf. So war es möglich, auch engere Räumlichkeiten zu besichtigen. Am meisten staunten wir alle über die Modernität, die Geräumigkeit und die vielen Computer, die den Nutzern an angenehm ruhigen Arbeitsplätzen zur Verfügung standen.

Selbst ein großer Scanner steht allen Benutzern offen. Wir wurden durch verschiedene Lesesäle und Freihand-Regalbereiche geführt, konnten den Mitarbeitern im Digitalisierungszentrum bei der Arbeit am Book-Eye-Scanner über die Schulter schauen, und gelangten schließlich zum Highlight der Führung in einem anderen, eigentlich nicht öffentlichen Gebäude: der Präsentation alter Drucke und Handschriften, darunter eine kostbar ausgestattete arabische Handschrift, ein Druck der Schedelschen Weltchronik und vieler anderer interessanter Schriften.

In diesem Gebäude durften wir auch das Digitalisierungszentrum für Alte Drucke und Handschriften besichtigen sowie die Restaurierungswerkstatt. Trotz seiner starken Kopfschmerzen ließ es sich unser hilfsbereiter Führer nicht nehmen, uns alles genau zu erklären. Dann traf sich unsere Gruppe vor dem Hauptgebäude aber auch schon wieder, wo wir noch kurz Herrn Schrastetter für die Organisation dieser tollen Führung danken konnten.

Ein wenig Urlaubsflair?

Die Blaue Kirche

Die Blaue Kirche

Und da die Besichtigung einer weiteren Bibliothek wegen Terminengpässen ausfallen musste, wurde nun zur Freude aller verkündet: bis 13 Uhr ist Freizeit! Und blieben also fast anderthalb Stunden, um ich aller Ruhe durch die schönen Altstadtgassen zu schlendern, Torte zu essen und bei McDonalds einzukehren, aufzuatmen und die Sonne zu genießen… Oder doch noch ein bisschen Kultur?

Immerhin gab es die „Blaue Kirche“ zu besichtigen, ein malerisches Jugendstil-Gebäude ganz in der Nähe – das konnten sich einige dann doch nicht entgehen lassen.

 

Stift Lilienfeld in Niederösterreich

Schon steuerten wir den letzten Besichtigungsort unserer Reise an: Lilienfeld – die Wiege des Skifahrens, wie uns auf dem Weg einige Plakate und Gedenktafeln vermitteln. Allerdings waren wir nicht hier, um uns das örtliche „Schi-Museum“ anzuschauen – nein, es ging zum Stift!

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang

Stiftsbibliothek

Die Stiftsbibliothek

Nach der obligatorischen Toilettenpause wurden wir an der Pforte überaus freundlich empfangen: die Führerin war sichtlich beeindruckt, dass wir sehr pünktlich kamen! Professionell und herzlich machte sie mit uns einen Rundgang durch das Stift, zeigte uns unter anderem den Kapitelsaal, den berühmten Gletscherwasser-Brunnen, an dem sich die Mönche früher gewaschen haben, und natürlich die schöne Stiftskirche.

Gerne ging sie auf unsere Fotowünsche ein und unterbrach dafür sogar ihre Ausführungen. Als letzte Station führte sie uns in die mit Spannung erwartete Bibliothek, wo auch drei Drucke extra für uns vorbereitet waren. Der kleine Saal war so über und über mit Büchern bestückt, dass in jedem Regal zweireihig aufgestellt wurde.

Linz – Das Stadtbräu JOSEF

Im Josef gibt es für jeden etwas…

Im Josef gibt es für jeden etwas…

Bevor wir die lange Rückfahrt in die Heimat antraten, mussten wir uns nicht nur gebührend stärken, sondern auch noch einmal bei einem kühlen Glas Bier ausruhen und die letzten Tage Revue passieren lassen. So hielten wir in Linz, wo im Restaurant JOSEF schon Tische für uns reserviert waren.

In österreichischer Gemütlichkeit konnten wir all die leckeren deftigen und süßen Köstlichkeiten der Region probieren und noch einmal Kräfte sammeln. Christiane übernahm eine kleine Danksagung an Prof. Mittler, der uns diese eindrucksvolle Reise ermöglicht hatte, und fasste in treffenden Worten die Eindrücke der Fahrt zusammen. Gerne stießen wir auf die wenn auch anstrengende, so doch sehr schöne Exkursion an!

Leider war aber auch hier unser Zeitplan noch so eng gestrickt, dass wir zum Schluss doch wieder Not hatten, rechtzeitig weiter zu kommen. Immerhin sei ein riesiger Dank an die Organisation des JOSEF-Teams ausgesprochen, die uns in kürzester Zeit und trotzdem bester Laune und Gelassenheit versorgten.

Rückfahrt

Mit einem kleinen Abschlussgeschenk für Kai (ein großer Geschenkkrug voll selbstgebrauten und frischgezapften JOSEF-Biers) eilten wir zum Bus und düsten in Windeseile nach Passau, wo Prof. Mittler seinen Zug nach Göttingen bekommen musste, und wo wir auch wieder unseren „Hilfs-Busfahrer“ einluden – tatsächlich hatte er es von Dettelbach-Bahnhof heim geschafft…

Auf der Heimfahrt merkte man allen deutlich die ereignisreichen Tage an: nach wenigen Minuten schlummerten alle vor sich hin und rührten sich bis zur Ankunft in Mainz kaum noch. Dort kamen wir überpünktlich morgens früh um 5 Uhr an. Ohne große Worte und noch im Halbschlaf wankten wir alle in unterschiedlichen Richtungen davon…

Back To Top